HTL Maturajahrgang 1970

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HTL Maturajahrgang 1970 | story.one

1966 komme ich als Gastschüler in die 2. Klasse.

Aber nicht allein, denn O. ist wie ich. Zusammen H2O.

Wir haben beide ausgelernt und wollen höher hinaus.

Wir werden in die Klasse geführt, kurze Erklärung, dann sind wir alleingelassen, 48 Augen schauen uns an, junge Burschen, 2-3 Jahre jünger.

Die 24 Schüler sind schon ein Jahr zusammen, die Sitzplätze vergeben, Mitte, letzte Reihe ist noch Platz. Das lernen ist anstrengend, aber wir haben auch Freizeit. Bunt zusammengewürfelt ist unsere Truppe. Wir haben aktive Fußballer, Mopedfahrer, Streber, Musiker, Schürzenjäger, Tänzer und ganz normale Jungs.

Wandertag beim Klassenvorstand im Garten, Kirschen pflücken. Ein Fachlehrer verschafft und Freikarten für etliche Ballveranstaltungen wenn wir dafür bei der Eröffnung und Mitternachtseinlage mittanzen. Das machte viel Spaß. Moped Ausflüge, gemeinsame Fahrten in den Prater, Turnunterricht im Freien. Jazzkeller am Samstag abend. Exkursionen zu Firmen. So gibt es Gruppendynamik und Interessengemeinschaft mit einem Ziel: Die M70b erfolgreich zu absolvieren.

Wir wachsen zusammen, verstehen uns gut, einige schaffen es nicht, einer stößt noch später zu uns, wir sind uns einig, stehen zusammen und leisten uns auch Späßchen mit Professoren.

Nachmittag noch eine Stunde, alle verlassen ihren Platz, rücken vor in die ersten 2 Reihen. 3 Schüler beschließen schon heimzugehen, sie haben Besseres vor. Der Fachlehrer ruft immer noch einzeln auf, es gibt genug ja, oder hier rufe. Alle anwesend. Er pflegte oft Vorkommnisse in seinen Kalender einzutragen, zum Nachteil für Schüler, bis dann eines Tages sein „ Büchl“ weg war. Alle Klassen, kein Eintrag mehr. „Wo ist mein Büchel?“ hörten wir ihn immer wieder fragen. Erst bei der Maturafeier hat er sein Büchel wieder bekommen. 17 Schüler peilen das letzte Jahr an.

in dem Jahr haben wir zu viert geschnapst, in den Pausen und in den vielen Freistunden. So ist kein Stress aufgekommen. Wir hatten über 800 Bummerl ausgespielt.

Was hatten wir als gemeinsamen Nenner? Die Arbeit hat uns zeitlebens Spaß gemacht. Drei von uns haben studiert, Mathematik, Hüttenkunde und Maschinenbau.

Fast alle haben Familien gegründet, Kinder in die Welt gesetzt und sind erfolgreich in die Pension gegangen. Nur 2 ganz Fleißige arbeiten noch, aber da tickt die Pensionsuhr auch schon.

Einige wurden feste Freunde, andere sind ins Ausland gegangen und eines ist sicher, zu Pfingsten sehen wir uns alle wieder, seit damals, wenn nicht gerade ein wichtiger Grund vorliegt fern zu bleiben. Die eingeschworene Gemeinschaft, gewachsen in der Schulbank hat bis heute gehalten. Alle 10 Jahre feiern wir in der Schweiz, damit unser Norbi nicht soweit fahren muss. Leider haben wir auch schon 3 ehemalige Freunde durch Krankheit verloren. Manchmal denken wir an sie. Ein Dinner for One kann es einmal geben, aber wir wissen nicht wem es gegeben ist uns alle zu Überleben.

© GONI