Im Wandel der Spache

Was passiert mit den Erinnerungen, was mit der Sprache, was mit dem Ausdruck, wenn ich mit der Erfahrung von 72 Jahren, Jugenderinnerungen zu Papier bringe? Vergessenes wird wohl nicht so wichtig gewesen sein, heißt das aber: alles Erinnerliches ist überdimensional wichtig? Glaube es nicht. Lassen wir andere darüber philosophieren.

Die Sprache hat sich verändert. Die Anglizismen haben sich mehr und mehr breit gemacht und durchgesetzt. Speziell in Österreich sind die vielen französischen Ausdrücke, von früher, ganz verschwunden. Die Abkehr von der Monarchie? Abkürzungen werden verwendet, wobei erwartet wird, dass sich alle auskennen. Wer sich nicht auskennt, gehört nicht dazu.

Teile der englischen oder besser amerikanischen Sprache werden ironisch als Neuhochdeutsch bezeichnet. Wollen wir die Sprache des Materialismus sprechen, weil das doch erstrebenswert erscheint. Der Schein trügt. Denn gerade bricht der Neoliberalismus zusammen, kaum, dass wir uns dem genähert hatten, oder kommt gerade eine neue Blütezeit, wissen Sie es?

Viele Gruppen pflegen eine eigene Sprache.

Welche Branche hat nicht ihr eigenes Vokabular, ihre ganz bestimmte Ausdrucksweise, dazu noch spezifische Fachausdrücke, um sich untereinander zu verständigen und damit Fremden gegenüber unverständlich zu bleiben.

Zimmerleute, Kutscher, Schmiede, Anwälte, Bierbrauer, Gerber, Papiermacher, Landwirte Manager, Ärzte, etc.. Schaut man weiter hat noch jede Region ihren eigenen Dialekt, der schon oft nach 10 Kilometern wechselt. Da hat man schon im kleinen Österreich eine babylonische Sprachverwirrung. In Wien kann sich Jeder rühmen den Dialekt des eigenen Bezirkes zu erkennen, oder dem Anderen auf den Kopf zuzusagen aus welchem Hieb er kommt. Spricht man Hochdeutsch kann man sich verständigen, wird man als nicht zugehörig, eingestuft. Hochdeutsch war meine Sprache zu Hause, in der Schule, im Leben. Erst in Oberösterreich habe ich versucht mich anzupassen, spreche ein wenig Dialekt. Ich habe aber einen großen Vorteil, ich kann viele Dialekte gut verstehen, und auch in Deutschland bin ich nie auf Unverständnis gestoßen.

Mein Großvater von Beruf Sattler, meine Mutter hatte einen Wotschatz mitgebracht, der für mich normal klang. Erst nachdem ich einen Kurs fürs Kutschenfahren besucht habe, ist mir klar geworden, daß der Wortschatz meiner Mutter aus dem Sattler- und Kutschergewerbe entlehnt ist.

Welchen Sprachschatz haben deine Eltern dir mitgegeben? Lohnt es sich dafür Gedanken zu verschwenden!

Deutschland und Österreich haben die gleiche Sprache. Ist sie gleich. Bayern - Oberbayern-Niederbayern - Allgäu- München. Franken, Sachsen, und ganz oben die Friesen. Treffen sich ein Ur-Tiroler und ein Ur- Friese haben sie eine Chance sich zu verständigen?

So wachsen wir wohl Alle, mehr oder weniger, mehrsprachig auf ohne uns dessen bewußt zu werden. Eiem fällt das leichter, dem Anderem schwerer, aber was solls. Wir leben!

© GONI