München - Wien radeln, radeln ...

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München - Wien radeln, radeln ... | story.one

Meine längste Radtour.

Das alte, erste Rad war Geschichte, Rahmenbruch – zu viel durchs Gelände geradelt, dann ein Rad klein mit Trommelbremsen aber ohne Schaltung, das ließ ich mir nach Tirol nachschicken, habe dort wunderbare Ausflüge gemacht, Rund um St. Johann, weil ich dort meine Bundesheerzeit verbrachte. Ein Urlaub dort unerschwinglich. Ein Kollege wollte mein Rad unbedingt haben,hat mir dann 500.- Schilling geboten, und ich habe schweren Herzens eingewilligt.

Nach der vorzeitigen Abrüstung Anfang September bin ich per Anhalter nach München zu meinem Onkel gefahren. Gemeinsam haben wir ein Rad gekauft. Hellblau mit Weiß, 12 Gang Schaltung fast neu, mein Onkel hat mir etwas Geld dazugegeben. Es war Freitag, Nachmittag. Schlafen bei Omi, dann hat mich mein Onkel noch aus München hinaus gebracht, das Rad im Kofferraum. Ich wollte doch gleich Samstag früh losfahren. Hier ist die Straße nach Braunau sagte er, da kannst losfahren. München Riem glaube ich war das, Samstag 9h.

Koffer und Tasche auf den Gepäckträger fest verzurrt und LOS. Immer geradeaus bis Wien. Karte hatte ich dabei. An das neue Rad gewöhnen, toll die neue Schaltung testen. Frohgemut radelte ich so vor mich hin. 450 Km lagen noch vor mir Stundenschnitt 20 km, das wären 22 Stunden Fahrzeit, ich hatte wohl Kondition, aber keine Erfahrung. Eintönig gings dahin, den Schnitt habe ich nur selten erreicht, 17- 19 km, das Gepäck war doch ganz schön schwer. Jede Pause kostete Meter.

Die Grenze problemlos, das Rad geschmuggelt!

Es wurde Nacht, Innviertel hügelig der Schnitt wurde schlechter nur mehr 12 Km, dann 9 Km, da beschloss ich eine Schlafpause einzulegen. Geregnet hatte es auch ein wenig. In einem Rohbau finde ich ein trockenes Plätzchen und 5 Stunden guten erholsamen Schlaf. Ich trinke meine Wasserflasche leer, esse die restlichen Kekse. Schade, heut ist Sonntag - Geschäfte geschlossen. Schon graut der Morgen und es geht mit frischer Kraft in den Tag. Wien kommt näher. Stunde um Stunde mache ich meine Kilometer, B1 erreicht, Hier mache ich einen Fehler, Strengberge und Riederberg statt Wachau und Krems. Ab Melk gar kein so großer Umweg, aber ich will die Diretissima. In den Strengbergen brauche ich alle kleinen Gänge, aber die Abfahrten genieße ich zur Erholung. Das Rad läuft und läuft. Die letzte Hürde, der Riederberg.

Mein rechtes Knie schmerzt, ein stechender Schmerz bei jeder Umdrehung. Ich schiebe das Rad hinauf und genieße die Abfahrt. Der Schmerz kommt wieder. Hütteldorf, St. Veit, Schönbrunn da kann man nicht aufgeben. Ich schleppe mich langsam heim. Die letzten Meter.

Geschafft Sonntag 21 h. Mein Schnitt 14,5 km/h. Hunger habe ich mitgebracht, es ist was da. Herrlich. Ich lege mich bald schlafen. Montag Früh, am Oberschenkel ein roter Strich, schön breit. Meine Mutter sagt nur: das ist nicht gut, und ruft einen Arzt. Das hatte sie noch nie vorher gemacht. Blutvergiftung – 1 Woche Bettruhe und Spritzen. Dann neue Herausforderungen, ohne Rad.

© GONI