Mutter's Knöchel...

Wer kennt noch die Vorhandyzeit?

Das ist die Geschichte: Wie finde ich in Notzeiten meinen Sohn?

Was sind Notzeiten? Ich verbringe 2 Monate Ferialpraxis bei München. Anreise mit Moped MS50. Meine Freunde machen eine 6 Tagewanderung in den Schladminger Tauern, in der letzten Ferienwoche. Ich werde zu der Gruppe stoßen, Treffpunkt Haus. So ist die Planung, und es gibt keinen Grund etwas daran zu ändern. Pünktlich bin ich in Haus, suche mir einen Abstellplatz für mein Moped, finde einen Anreiner der mich in die Garage läßt. Koffer am Moped, der fertig gepackte Rucksack, mit Schlafsack, Kleidung und Essen für 6 Tage, sicher 20 kg schwer, wird geschultert. Eine Woche in den Bergen, mit Freunden, endlich Ferien, ich freue mich darauf.

Ich bin der erste am Treffpunkt, langsam kommen die anderen Freunde. Und dann kommt Einer auf mich zu, drückt mir einen Zettel in die Hand, rufe deine Mutter an, sie hatte einen Unfall, du sollst sofort heimfahren. Ich will natürlich genaueres wissen, aber mehr weiß er auch nicht.

Da fängt mein Kopf zu rauchen an, meine Mutter hat auf 800 m am Grünberg keinen Strom, kein Telefon, also was ist los! Auf dem Zettel eine Telefonnummer.

Ich gehe zum Postamt und rufe an. Nun, meine Mutter ist zu erreichen. Komm sofort nach Hause, ich brauche dich. Halt, was ist los, was ist passiert. Mutter klingt frisch, klar wie immer. Du hattest einen Unfall? Ich will nicht heim, denke ich - der Berg ruft, laut und deutlich. Ganz langsam komme ich hinter die Geschichte. Vor Tagen, beim Schwammerlsuchen ist Mutti, auf einem nassen Baumstamm ausgerutscht und hat sich den Knöchel gebrochen. ist lange operiert worden, nun hat sie einen Liegegips und ist nicht mobil. Aber hat sich in bewährter Manier Fahrten mit dem Auto organisiert, zur Kontrolle ins Krankenhaus, Einkäufe bringen lassen, ganz in ihrem Element. Wozu baucht sie mich sofort, denke ich mir. Mit dem Moped kann ich sie nicht fahren, ein direkter Notfall liegt nicht vor. Sie kann für sich sorgen, sehr gut sogar. Andere Menschen für sich einzuspannen, das kann eine Wassermannfrau gut.

Ich fange zu verhandeln an. Es dauert Stunden bis ich komme. Das macht nichts. Wenn's nichts macht denke ich, dann kann ich noch 3 Tage wandern gehen und dann immer noch heimfahren. Davon will sie aber nichts hören. Komm heim! Befehlston! Ich lasse nicht locker. Nach endloser Debatte höre ich ein entnervtes Meinetwegen. Ich hatte erfolgreich verhandelt. Das ist mir nicht oft gelungen. Ich habe dann mit ein wenig schlechtem Gewissen, die Wanderung mitgemacht und bin dann am 3. Tag allein zum Tal abgestiegen und heimgefahren. Es ist mir nicht viel in Erinnerung, außer daß der lange Aufstieg am 1. Tag sehr anstrengend war, viel Schweiß gekostet hat, bis wir in der Selbstversorgerhütte angekommen waren.

Mein Moperl hat mich auch wieder gut nach Gmunden gebracht, und da war ich nun wieder. Auch 20 Jahre später, haben wir darüber gesprochen, und Mutti meinte, das habe sie mir noch immer nicht verziehen!

© GONI