Theater in der Halle? Keiner schaut zu!

Die Rückreise brachte mich in eine Zwickmühle: 3 Stunden im teuren Hotel schlafen, eventuell den Wecker zu überhören und den Flug verpassen, oder das Zimmer zu stornieren und gleich aufzubrechen und den langen Heimweg sofort antreten. Nach den abendlichen, englischen Regen, wurde das Wetter friedlich. Von Cambridge, zu Fuß, zurück nach Trumpington 3,2 km. Noch kurz bei meinem Sohn, verweilen, seinen Dr. Titel, feiern, aber um 0.20 schnappte ich meine Tasche um die Heimfahrt einzuleiten. Im Mondschein habe ich mich an die Hauptstraße gehalten, bin nach weiteren 1,1 Kilometer im P&R, 10 min vor der Abfahrt des 1. Busses des jungen Tages, angekommen. Alles ruhig, abgesperrt, kein Mensch weit und breit, der Bus pünktlich, hat auf meine fragende Haltung zur Mitnahme, nur mit einer Handbewegung reagiert, die ich als Einladung wertete und Platz nahm. Sehr schnell ohne Verkehrsprobleme ereichten wir den Flugplatz. Nur einzelne Geschäfte offen, 13.30 die 1. Halle betreten, der Flugplatz im Tiefschlaf. Alles ruhig, an den Wänden liegen Menschen, fest mit dem Gepäck verbunden, zum Teil mit Decken, immer ca. 1 m Abstand zueinander. Der Zugang zu den Sicherheitskontrollen mit roten Ampeln gesperrt. Aus den Tafeln ersichtlich, der 1. Flug ab 6 h früh, dann aber 35 Flüge in 1,5 Stunden. Ein Mann steht auf und geht, ich besetze seinen bisherigen Platz. Nichts ist frei und ich lasse diese Ruhe auf mich wirken. Totenstille. Ganz langsam, fast einzeln kommen mehr Leute, eine Familie mit 5 Kindern richtet ein Nachtlager ein, alle legen sich schlafen. Eine Schulklasse mit Jugendlichen, braucht lange bis die Körper zur Ruhe gebettet sind aber auch hier nur Geflüster deren Laut nicht bis zu mir ( 70m) hörbar ist. Dann werde ich Zeuge einer lautlosen Vorführung. die 5 Kinder der Familie können nicht schlafen, sind zu aufgeregt und flitzen auf Strumpfhosen über den spiegelnden Boden. Verschiedene Schrittfolgen, dann kleine Schritte wie auf Glatteis, Piruetten, 2 Mädchen und ein Junge toben durch die Halle. Der Vater immer am Weg hin und her mit einem Kind an der Hand, vermutlich zur Toilette. Die Frau in der Nähe der Gepäckstücke, mit verschränkten Händen, steht wie ein Fels da, ohne im Detail auf die Kinder zu achten, und so wird der Kinderreigen immer größer, ohne aber an Anmut zu verlieren. Da, eine Putzfrau schiebt ihr Reinigungswägelchen quer über den Patz, verliert zuerst ein Putztuch, dann ein Zweites, wechselt ihr Wägelchen und geht wieder durch die Tanzszene, die Putzlappen einsammelnd. Wozu denke ich. Vergeblich halte ich Umschau, kein Hinweis auf eine Koreographieanweisung.

Keine Uhr sichtbar, endlos kroch die Zeit dahin, nein sie stockte. Kein Schlaf verkürzte die Wartezeit. Extra wollte ich erleben wie die Zeit umgestellt wird. Nichts gar nichts. Ein und noch ein Mensch gehen langsam Richtung Passkontrolle, und verschwinden dahinter. Ich richte mich auf, packe meine Tasche, und gehe auch dort hin. Endlich!!

© GONI