unsere Erziehung!

Am besten überschreiben wir das Thema mit viktorianische Erziehung.

Auf keinem Gebiete des öffentlichen Lebens hat sich die Emanzipation der Frau, der sportliche Körperkult, die Verselbständigung der Jugend und die freudsche Psychoanalyse mit der Einstellung zur Sexualität innerhalb eines einzigen Menschenalters so verändert, als in den Nachkriegsgenerationen.

Die Beziehung der Geschlechter zueinander wird neu gelebt, verändert.

Erleichtert wird diese neue Ordnung durch das Überangebot an Frauen und deren Durchsetzungskraft als sie alleine „ihren Mann“ stellen müssen.

( Trümmerfrauen, Überlebensstrategien, etc.). Ich wurde von Frauen erzogen, ich war von Frauen umgeben, Mutter und Schwester, Großmutter fallweise, Tante selten, 4 Cousinen, (2 Cousins, ein Onkel).

Meine kleine Welt. Mein Vater früh verstorben. Die Familie, gutbürgerlich seit 3 Generationen Akademiker, da darf es keine Schwäche geben. Wir sind normale Kinder, also streiten wir regelmäßig. Der Psychologe heute wird sagen die suchen ihren Platz, probieren sich aus, messen sich. Ich weiß nicht mehr worüber wir uneinig sind, aber es fliegen die Fetzen, also Teppiche. Kommt unsere Mutti dazu, dann wird es ernst.

Schwesterchen petzt, sie kann ihren Mund nicht halten. Der große Kochlöffel, sonst nur beim rühren des Lebkuchenteiges zu Weihnachten in Verwendung, tanzt, schmerzhaft über meinen Körper hinweg, um dann gleich noch einmal zurückzukehren.

Einmal lief ich davon, immer rund um den Tisch im Wohnzimmer um den Schlägen zu entgehen, aber ich spürte, dass die Wut meiner Mutti sich mit jeder Runde steigerte, Der Kochlöffel hatte mich verfehlt und traf den Sessel, ein Stück des Löffels brach ab, also schätzte ich ab, lieber weniger Schläge, dann sofort ergeben. So in Erinnerung geblieben war das die heftigste Attacke meiner Mutti, später genügte schon die Drohung, oder der Griff in die Küchenlade um Streit zu beenden.

Wie gesagt ich wurde von Frauen erzogen, also fand ich es ungerecht, dass bei den Auseinandersetzungen mit meiner Schwester, so nach und nach Verbotszonen auftauchten auf die nicht geschlagen werden durfte. Missachtete ich das, wurde gepetzt, und bei mir gab es keine schützenswerten Körperteile.

Das finde ich zutiefst ungerecht. Ich versuchte mich aus dem festen Griff meiner Mutti zu entwinden, sie hatte ja nur eine Hand frei, wodurch die Schläge nicht nur den bevorzugten Hintern trafen. Ich verlegte mich auf Haare ziehen und zwicken.

Zwicken verursacht Krebs, war dann die Verteidigungsstrategie. Haare ziehen tat weh, das wollte ich auch nicht. Aber das petzen konnte ich meiner Schwester nicht abgewöhnen. Verbal war sie mir überlegen, 16 Monate älter, und sie liebte es mich aufzustacheln.

Vermutlich genau dosierte Erziehungsmaßnahmen der damaligen Zeit, auf die Schulzeit begrenzt, denn später hatten wir, jeder im Beruf, nur wenig Gelegenheit zu streiten. Wir sehen uns nicht mehr so viel. Heute ist es anders.

© GONI