Was wird daraus?

Da schmeißt dir der "Zufall" ein Stück vor die Füsse.

Niemand nimmt Notitz.

Abfall oder Kunst, Rohmaterial... ?

Beim ausbaggern der Künette im Bezirk Vöcklabruck bringt der Bagger etwas ans Licht, das dort nicht hingehört, aus mehr als drei Meter Tiefe an die Oberfläche. Blauer Schlickboden hat dort etwas aus vergangenen Zeiten konserviert. Das ist ein interessanter Fund, den ich mir zur Seite ziehe, etwas später holte ich das glitschige Etwas ab, mache eine grobe Reinigung und packte meinen Fund in den Kofferraum meines Wagens. Zu Hause, im Garten, wird dann erst unter dem Wasserstrahl und einer Bürste Holz erkennbar. Ein alter abgestorbener Wurzelstock einer kleinen Fichte kommt zum Vorschein. Er hat mir gefallen, die Lufttrocknung beginnt. Was macht man mit so einem Holz? Ich hatte bei meinen vielen Dienstfahrten einen Wegweiser in Erinnerung nahe Allerheiligen, "zum Holzschnitzer". Erst im 2. Anlauf habe ich den Künstler angetroffen und die erste Besprechung ergab nichts, bringen sie das Holz einmal mit. So gerne gibt man aber das gute Stück nicht aus der Hand. Das Bäumchen ist ca. 17 cm im Durchmesser und etwas über einen Meter lang. Drei Wurzelenden ragen heraus, das mittlere Ende ist länger und hat eine Verdickung, wie eine Krone.

Es ist offensichtlich nicht sehr alt geworden, obwohl langsam gewachsen. Dann gab es viel festzulegen, Verhandlungen, der Baum sollte nicht stark verändert werden, und es sollte das Bild einer gotischen heiligen Barbara werden. Die Schutzheilige der Bergleute, gute Gründe für meine endgültige Wahl.

Nun beginnt eine Wartezeit, der Künstler hat andere Aufträge, aber was soll's, das Holz hat schon die lange Lufttrocknungszeit bei mir überstanden und wie lange wir es wohl unter der Erde gewartet haben?

Dann endlich Skizzen, erste Eindrücke des Kunstwerkes. Ja, es gefällt mir, weitermachen.

Aber nachträglich kann dann nichts mehr geändert werden. Ist gut!

Kurz vor der Jahrhundertwende halte ich dann das gute Stück in Händen. Es ist schön geworden. Sehr schön, wunderbar!

Wollen sie eine Fassung? Wie bitte, was meinen sie? Umständich werde ich aufgeklärt, die Färbung der Kleidung, Mauerwerk, etc. wie bei den Figuren in der Kirche. Nein eine Holzpuppe will ich nicht. Ich möchte das Holz sehen, der warme Ton, die Maserung ist mir wichtig. Ich möchte sie so lassen.

Das geht nicht, sie muß irgendwie konserviert werden. Wir können Wachs nehmen, das wird etwas dunkel aber es hilft. Gut wachsen sie die Statue. Nochmaliges Warten.

Dann ist es soweit, endlich halte ich meine eigene Barbara in Händen, sie hat ihren Platz in der Ecke in meinem Wohnzimmer. Wird von einer eigenen Lampe beleuchtet, wenn es finster wird.

Meine gotische Barbara ist neu, das Holz ist aber sicher bedeutend älter.

© GONI