Wo will die Hose mit dem Jungen hin?

Was braucht ein Mensch zum anziehen? Nicht viel – an und für sich! Die gesellschaftliche Zugehörigkeit diktiert uns einen gewissen Kleiderkult. Die korrekte Kleidung zum jeweiligen Anlass. Für Kinder ist das einfacher, sauber und ordentlich, rangiert noch vor Farbe und Material.

Da hat ja alles keinen Sinn, denn vor auftragen kommt noch das Schlimmste: raus-wachsen. Nun kommt der Fall des Übertragens. Aus der Not geboren, ist doch noch gut, schade drum, gute feste haltbare Stoffe, Bei Hemden werden noch die Krägen gewendet, weil die Kanten abgenutzt sind. Eine gewisse Liebe zum Alten, Gewohnten, Beständigen, Preiswerten. Wie selbstverständlich werden Kindersachen innerhalb der Familien weitergereicht – und nach erfolgter Tragezeit auch wieder zurückgegeben, für die folgenden Sprösslinge. Bei Babysachen kein Problem, Babys sind sich der Kleidung nicht bewusst und können sich nicht äußern. Bei Kindern ändert sich das, aber gehört werden Kinder nicht, erst später kommt der aufgestaute, angesammelte Frust als „Pubertät“ zum Vorschein. Können sich Kinder an die Pubertät erinnern? Ich kann es nicht.

Unterwäsche, Socken, ein paar Hemden, ein Pullover, und Hosen, kurz und lang, Schuhe, Anorak. Mehr braucht es nicht, zum Aufwachsen, für Schüler, für Menschen!

Ich hatte Glück, schon früh hatte ich eine Lederhose,für mich allein, kurz, denn Onkel und Tanten waren der seltenen, einhelligen Meinung: „Jungs brauchen eine Lederhose“ gemeinsam legten sie Geld zusammen und eine großzügig bemessene Hose wurde angeschafft, zum Hineinwachsen. Bei der Anprobe hat wohl jeder der Geldgeber einen Zentimeter mehr gefordert, wohl damit nicht jährlich so eine Sammelaktion fällig wird. Die Bücks war auch keine Latzhose, sondern wie eine Stoffhose geschnitten. So hing die Hose an den Hosenträgern an mir herunter, die Knöpfe gingen sehr schwer auf und zu, ich glaube ich brauchte damals zu Anfang noch Hilfe. Für die Notdurft genügte es, die Hosenträger einfach über die Schultern abrutschen zu lassen, ohne aufzumachen. Damals erfuhr ich was Hosen"träger" bedeutet. Solides Schweisleder, bockig und schwer. Mein ganzer Stolz, hing jahrelang an mir herunter, ich konnte mich innerhalb der Hose frei bewegen, bei längeren Wanderungen rieb ich mich am Oberschenkel wund. Abends, müde habe ich mich in die Ecke gestellt, die Hose abgestreift und am Boden abgestellt. in der Früh hineingestiegen und hochgezogen; theoretisch! .Mit 18 Jahren hat sie mir dann so richtig gut gepasst. Verständlich daß die Hose nur zu Verwandtenbesuchen getragen wurde.

Wenn Du in Wien aufwachsen darfst, dann ist die Lederhose nicht die richtige Kleidung.

Heute lebe ich in Oberösterreich und trage gerne meine Knickerbocker aus Hirschleder, oder im Sommer eine dünne Springbockhose. Aus meinen Jugenderfahrungen habe ich gelernt!

© GONI