Prag, wir kommen! Hoppala,

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Prag, wir kommen!  Hoppala, | story.one

der Sohn meines Chefs, Student, kommt öfters zu Besuch.

Wir freunden uns an und beschliessen eines Tages ein Wochenende in Prag zu verbringen. Wir fahren einfach Freitag nach Dienst los und erreichten Prag am Abend. Geld abheben, am Bankomat, das funktioniert schon. Dann vom Wenzelsplatz, in einer Seitenstraße, finden wir ein Hotel. Dort war reger Betrieb, Deutsch wird gesprochen, weil gerade eine deutsche Reisegruppe an der Rezeption abgefertigt wird. Wir fragen an der Rezeption ob noch Zimmer frei sind und erhielten positiven Bescheid. Wir sind zufrieden, müssen aber unsere Pässe erst aus dem Auto holen. Das war gut, denn es ist kein internationales Hotel, die Reisegruppe aus der DDR, eine Schulabschlussfahrt. Samstag streifen wir durch die Stadt und mittags treffen wir zufällig auf die Gruppe aus unserem Hotel. Schnell kommen wir ins Gespräch, endlich keine Sprachhürden, und verabreden uns für einen Abendbummel. Es wird ein lustiger Abend mit guter Unterhaltung. Wir gehen spät in unsere eigenen Betten, die Handtücher haben riesige Löcher, ein kleiner Kanonenofen ist mit Holz gefüllt, das Ofenrohr beginnt zu glühen.

Wir sind glücklich, mein Freund stark verliebt und auch ich habe viel Sympathie entwickelt. Aber ich weiß bereits, in der Heimat wartet ein Mann, der Hochzeitstermin steht fest. Ein gemeinsames Frühstück , Sonntag Vormittag in der Stadt noch Mittagessen, dann wird Abschied gefeiert, mein Freund zieht sich, mit seinem Mädchen, in unser Zimmer zurück, mit dem Hinweis, keine Störung. Wir gehen in Ihr Zimmer, ein Mehrbettzimmer, das glücklicherweise leer ist. Natürlich will ich mehr als Küssen und nach einigem Zureden erfüllte meine Partnerin mir meinen Wunsch. Viele Informationen haben wir in den Stunden über den Westen und das Leben im Osten ausgetauscht. Sex ist selbstverständlicher, offen, ein Zeitvertreib. Ein Zitat:"Was sollen wir hier sonst machen, es gibt nichts."

Welch ein Wochenende. Alle heimlichen Träume erfüllt. Spät abends machen wir uns auf den Rückweg, denn das Visum gilt nur bis Mitternacht. Mein Fiat schnurrt dahin, als wir plötzlich aus unseren Gedanken gerissen werden. Alle Kontrolllichter flammen auf. Der Keilriemen zeigt Auflösungserscheinungen. Ich reiße ab, was weghängt und lege das schmale Band wieder auf die Scheiben. Mit konstanter Drehzahl fahren wir weiter, vorsichtig damit die Lichtmaschine Strom erzeugen kann. 100 km bis zur Grenze, noch 2 Mal springt das Keilriemenfragment von den Scheiben, dann erreichen wir minutengenau um Mitternacht die Grenze. Geschafft! Kurz vor Freistatt hat dann endgültig der Keilriemenrest seinen Dienst quittiert.

Wir schlafen im Auto, warten auf den neuen Tag und am Montag morgen auf eine offene Werkstatt. Zu Mittag treffen wir daheim ein.

Wir haben noch ein paar Briefe geschrieben, dann ist die Affäre beendet. Es ist 1974, die Mauer fällt erst 15 Jahre später. Mein Freund leidet, viele, lange Briefe werden verfasst....

© GONI