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The Sky is the Limit

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The Sky is the Limit | story.one

Ich sitze in der Wiese, Adrenalin durchflutet meinen Körper, ich habe ganz unbeschreibliche Glücksgefühle. Oh mein Gott, war das jetzt echt? Was für ein Wahnsinns-Feeling!

Bereits vor Sonnenaufgang sind wir zu viert ins Auto gestiegen. Wir müssen früh in Vittis sein, habe ich am Telefon erfahren, da sei die Thermik am besten. Die Uni muss wohl auf morgen warten. Der alte Ford plagt sich auf der Schnellstraße. Wir sind bester Laune.

Hinter Vittis ist in einer riesigen Wiese eine Rollbahn gemäht, auf der ein rosa Flugzeug steht. Wir finden den Sprunglehrer, mit dem ich telefoniert hatte. Wir gehen alles genau durch – ein Fallschirmsprung mit Rollstuhlfahrer ist auch für ihn nicht alltäglich. Ob ich das Gewicht meiner Beine in der Luft 10 Minuten mit dem Arm halten kann, fragt er mich. Ich habe keine Ahnung. „Klar, kein Problem!“ sage ich mit Überzeugung, aus Angst, ich dürfte sonst nicht springen.

Im Moment sei die Thermik ganz schlecht, sagt er. Vielleicht geht es zu Mittag. Zum Glück ist in Sichtweite ein Lokal. Wir setzen uns auf der Terrasse in die Sonne, bestellen vier Colas, und beobachten das Flugzeug, das immer wieder startet um Fallschirmspringer über die Wolken zu bringen. Die nächste Runde werden vier Bier, das verkürzt die Wartezeit. Dann noch vier.

Zu Mittag haben wir schon einige Runden hinter uns. Mittlerweile haben zwei von uns beschlossen, doch nicht zu springen. Auch mir wird mulmig. Unser Lehrer kommt vorbei und sagt uns, dass wir noch 2 Stunden warten müssen.

Wir sitzen im Flugzeug auf dem Boden, mein Sprungpartner schnallt mich an sich fest. Sämtliche Gurte müssen genau überprüft werden. Seinen Schirm legt man immer selber zusammen, schreit er mir zu. Ich hoffe, er hat sich Mühe gegeben. Jetzt könnte ich noch zurück. Zu allem Überfluss leide ich unter leichter Höhenangst.

Richtig unheimlich wird es, als die Heckklappe geöffnet wird. Es ist wahnsinnig laut, der Wind bläst. 4000 m Höhe, ich sitze an der Kante, meine Beine baumeln nach unten. Unter uns quadratische Felder, Waldstücke, winzige Straßen und vereinzelte Wolken. Ich habe riesige Angst. Bloß nicht nachdenken!

In dem Moment zeigt mir mein Lehrer von hinten Daumen hoch, und mit einem Ruck stürze ich in die Tiefe. Es ist der größte Schock, den ich je erlebt habe - und gleichzeitig unfassbar genial! Wir wirbeln durch die Luft, die Welt dreht sich, das Flugzeug über uns saust davon und ist nur noch ein winziger Punkt. Ich glaube ich schreie die ganze Zeit vor Begeisterung. Die Wolken sausen an uns vorbei nach oben. Der Rundumblick unendlich weit, bis zu den Alpen. Die Welt ist so unglaublich schön!

Nach gefühlten 30 min freier Fall (nachher erfahre ich es ist 1 Minute), geht der Fallschirm auf. Mit einem Ruck bleiben wir in der Luft stehen. Plötzlich ist es ganz still rundherum, wir sind in 1000 m Höhe und segeln langsam auf die Erde zu. Die Aussicht ist einfach unbeschreiblich. Die Landung in der Wiese dann etwas ruppig. Ich konnte meine Beine nämlich nicht halten.

© Gregor Demblin 2020-05-08

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