Bye Boris

Lang hab ich überlegt, ob ich die folgenden Zeilen schreiben soll. Weil mal kein Happy End hinten dran steht. Aber es gehört zum Leben dazu, dass es mal kein Happy End gibt.

Boris ist unser alter Deckbock. 1 a ist er gekört. So einen Bock gibt's maximal einmal im Jahr österreichweit. Aber nicht nur am Papier ist er ausgezeichnet, auch sein Charakter ist einmalig. OK. Am Anfang hab ich ihn etwas verflucht, immer wieder ist er mit voller Härte auf Luna und Sweep, meine zwei Bordercollies, losgegangen. Ich brauchte bei Umtrieben meine volle Konzentration und ein sehr gutes durchdachtes Hundehandling um alle gesund von A nach B zu bringen.

Zu mir war er aber immer freundlich. Er kam immer zu mir und hat sich regelmäßig seine Leckerlis erbettelt.  Und dazu brauchts ne Menge Charme um mir Leckerlis zu entlocken. 😉

Doch seit dem Spätherbst geht's mit Boris bergab. Er wird immer dünner, obwohl er ne Sonderbehandlung bekommt und extra gefüttert wird. Der altersbedingte Verfall ist gnadenlos. Boris ist noch immer der gleiche liebenswerte Kerl, doch mein Realitätssinn weiss, dass der Abschied naht.

Gestern gehe ich zu ihm, er liegt friedlich und zufrieden da und käut wieder. Als er mich sieht, will er aufstehen. Doch er ist zu schwach.  Ich eile zu ihm. "Komm Boris alter Junge. Komm ich helf dir. Vielleicht sind dir nur die Beine eingeschlafen."

Aber es geht nicht mehr. Ruhig atme ich durch. Das ist also der Tag des Abschieds.

Ich hole mir den Schlachtschussapperat und das Stichmesser. Er soll einen würdigen Abschied haben. Nicht elendig krepieren..

Ich hab noch was vergessen... Die Leckerlis. Ich hole sie. Dann knie ich neben ihm hin. Er schaut zufrieden drein. Nimmt die Leckerlis mit der gleichen Begeisterung wie immer. Er schaut mich an. Käut genüsslich wieder. Boris, mein alter Freund. Heut geht ein ganz Grosser von uns.

"Peng"

Kein Stress, keine Angst. Dankbarkeit in mir, dass ich ihm einen würdigen Abschied schenken konnte.

Machs gut mein alter Freund.

© Guatishof