Ein bisschen Hilfe

Es ist Montag, ca. 15 Uhr 45… Ich stehe am Heuplatz und beginne gerade den Schafen ihr Abendfutter vorzulegen. Da höre ich ein lautes „Määhhhh“ aus dem Ziegenstall. Ok, denke ich, schnell die Schafe weiter füttern und dann gehe ich zu den Ziegen. Doch schon kommt mir das nächste klägliche „Määhhhhhh“ zu Ohren. Ok, liebe Schafe, ich füttere ich später.

Schnelles Schrittes gehe ich zum Ziegenstall und erblicke sofort unsere Zwergziege Baby. Sie liegt auf der Seite, ein Teil der Fruchtblase schaut schon heraus … den Tretspuren in der Einstreu nach, liegt sie erst ganz kurz da – das ist gut …. Ich kniee mich zu ihr hin, streichel ihr übers warme Fell. „ Du schaffst das schon Baby, du hast das doch schon ein paar mal durch“ flüstere ich ihr zu.

Die nächste Wehe kommt, Baby presst, ein Beinchen ist zu sehen und was ist das ? Ist das ein Ohr oder ein Schwänzchen ??? Egal was, es gehört hier nicht her – ich stehe auf und will mir Desinfektions- und Gleitmittel holen um ihr zu helfen. Da hebt Baby ruckartig den Kopf, dreht ihn zu mir und schaut mich ganz vorwurfsvoll an und „Määäähhhht“. Dieser Moment ist so klar – so verbindend - in diesem Moment redet sie mit mir: Bleib du ja gefälligst da… Du kannst mich doch jetzt nicht alleine lassen? Biiiiiiiittttttttte, ich brauch dich……… Ok, Baby, ich bin ja da ….

Ich verständige meine Familie telefonisch mir die Sachen aus dem Haus zu bringen. Schnell Hände desinfizieren und dann taste ich vorsichtig, was da los ist. Dass ein Beinchen fehlt ist erfahrungsgemäss nicht so schlimm, auch wenns lt. Lehrbuch da sein sollte. Ich find das andere jetzt auf die Schnelle auch nicht, aber der Kopf, warum ist der so riesig, der geht da nie durch…ok, jetzt ist alles klar, das Kitz hat den Kopf zu Brust geknickt. Ich drücke in einer Wehenpause das kleine Wesen etwas in den Uterus zurück, erfühle das Maul und und ziehe den Kopf nach vorne. Jetzt liegt das Kleine fast lehrbuchmässig. Bei der nächsten Wehe schaut das kleine Mäulchen schon raus und ich sehe, dass das Kitz noch lebt. Puh, ich bin erleichtert. Ab jetzt erledigt Baby das in gewohnter Routine. 5 Sekunden später ist das Kleine auch schon rausgeflutscht…. Ich helfe schnell noch in dem ich den Kopf und das Mäulchen von der Fruchtblase befreie und so die Atemwege freilege…. Da presst Baby nochmals und schon ist auch Kitz Nr. 2 da … da liegt die kleine Familie … beide Kitze sind noch mit der Nabelschnur mit der Mutter verbunden. Baby verbiegt sich um dem zweiten Kitz die Fruchtblase abzulecken und ersten Kontakt herzustellen ….

Dann steht sie auf, es schaut so brutal aus, wie die Nabelschnur einfach zerreist, doch die Natur hat schon die perfekte Sollbruchstelle eingebaut. Während Baby die Kitze abwechselt trockenleckt, hat sich das eine schon unter sie gerobbt und säuft.

Das Wunder der Natur – man sitzt da und ist einfach nur beeindruckt.

© Guatishof