Amore, Vino, Amore ...

29 Mädels, 11. Schulstufe, ein Reisebus.

Der Wonnemonat Mai war als Reisetermin für unsere Südtirolwoche ins Auge gefasst und mit einem Katalog zum moralisch einwandfreien Benehmen traten wir unsere Reise an.

Die Kernaussage zu moralisch und einweindfrei umfasste laut den Begleitlehrerinnen, beide in den 50ern und alleinstehend, dass 29 junge Damen ein Magnet für italienische Männer sein müssen. Folgende Schlussrechnung wurde uns vorgelegt: am 1. Abend sind es 2 "Amorettis", am 2. Abend 5 und am nächsten 30.

Und wir waren durchaus nicht abgeneigt, ein paar Italiener "näher" kennenzulernen.

Was durch die geografische Lage des Quartiers so gut wie unmöglich war. Südtiroler Seitental, schattseitig, gelegen an einer einspurigen Bergstraße mit einem fantastischen Ausblick über das Tal.

Soziale Quarantäne also!

Auf dem Programm standen u.a. die Städte Bozen und Meran, der Besuch von diversen römisch katholischen Gebetsstätten, Führungen durch die Schlösser Tirol und Runkelstein. Eine Fabrik, in der die Äpfel einer Obstgenossenschaft für den Verkauf aufbereitet wurden.

Unsere Anstandsdamen zeigten sich sehr zufrieden mit uns. An den bisherigen Tagen und vorallem in den Nächten hatte kein Italiener gegen die moralische Befehlsausgabe verstoßen. Als Bonus für Sitte & Anstand wurde uns die Besichtigung eines Weinkellers samt Verkostung in Aussicht gestellt.

Ich kann mich heute noch an das süße, süffige Aroma des Gewürztraminers erinnern. Zum Glück servierte man uns Bruchetta zu den Weinen, denn beim Kosten ist es nicht geblieben.

Auf dem Heimweg: am Fuße der Bergstraße lag ein kleines Dorf. Unter der männlichen Bevölkerung hatte sich unsere Anwesenheit herumgesprochen. Den Bus verfolgten 2 Motorroller mit braungebrannten Fahrern ohne Helm. Am Quartier angekommen fuhren sie augenzwinkernd weiter. Noch vor dem Abendessen hatten wir die beiden am Rande des benachbarten Weingartens entdeckt.

Sie luden uns zu einem Glas Wein ins Dorf ein.

Von da an waren "abendliche Spaziergänge" an der Tagesordnung. Wegen beinah unüberbrückbaren Sprachbarrieren verlagerte sich die Kommunikation auf andere Teilbereiche des zwischenmenschlichen Miteinanders.

Mit der Schlussrechnung hatten die Damen aus der Abteilung Moral & Anstand tatsächlich recht. Aus den zweien wurden in der Tat 30 junge Männer. Ungemein praktisch - jede von uns verfügte somit über einen Heimbringerdienst.

Unsere Amorettis dürften im übrigen Erfahrung mit pädogoschem Personal verfügen, denn sie ließen uns zwei Kurven vor dem Quartier von ihren fahrbaren Untersätzen absteigen.

Meines Wissens hatte keine von uns ein "bleibendes Andenken" aus Italien mitgebracht- 2 Jahre später maturierten wir geschlossen.

Ein "Mitbringsel" ist mir von dieser Woche Italien dennoch geblieben- die Liebe zum Wein- allerdings von weiß & süß zu rot & süffig.

Kombiniert mit einem Teller Pasta reise ich vom Küchentisch nach Bella Italia.

Buon appetito!!!

© gudrun salzer