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Geschenke

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Geschenke | story.one

Persönlich freue ich mich sehr über die Einkaufsbefreiung, die uns Corona technisch seitens der Regierung erteilt wurde. In der "guten alten" Zeit sank meine Laune in den Keller, wenn der Kühlschrank neu zu befüllen, Schuhe, Medikamente, Kleidung, Hefte, Bürobedarf, Toilettartikel oder Reinigungsutensilien zu beschaffen waren. Strafarbeit. In der Hierarchie gerade noch oberhalb von Putzarbeiten angesiedelt. Zwei Dinge vermisse ich einkauftechnisch doch ein wenig. Den Gang in die Buchhandlung. Und die Auswahl von Bestandteilen oder Zutaten für Geschenke.

Es gibt wohl nichts Schöneres, als anderen eine Freude zu bereiten. Meine Vorfreude aufs Beschenken erhöht sich um ein Vielfaches, wenn es sich nicht um ein fix fertig produziertes Dingsbums handelt. Sondern um etwas Handgefertigtes. Besonders, wenn ein Mensch beschenkt werden darf, zudem eine Herzensverbindung besteht. Welche Dinge liebt dieser Mensch, was hat er gern?

Trotz Epidemiegesetz wird der Osterhase am Ostersonntag durch Österreich hoppeln, um seine Geschenke abzusetzen.

Für unsere Kinder legt Herr Langohr ein Nest ein. Etwa in der Größe eines Erwachsenen Handtellers. Ein Fahrrad hat darin nicht Platz. Dafür ein Sackerl mit selbstgebackenen Lieblingskeksen.

Auch die Wichtelgeschenke, die sich in den Schulen höchster Beliebtheit erfreuen, lassen sich so mit einer persönlichen Note aufwerten.

Ein Buch ergänze ich mit einer selbstgestalteten Karte. Zu vielen Anlässen stehen unsere Kinder mit Feuereifer parat und gestalten diese hingebungsvoll. Selbstgeschossene Momentaufnahmen vorne aufgeklebt, mit stimmigen Zeilen auf der Rückseite versehen, sind meine Favoriten.

Im Moment haben viele von uns mehr freie Zeit zur Verfügung, als wir es gewohnt sind oder uns lieb ist. Vielleicht ist diese besondere Zeit insgesamt zu kurz, um tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen einzuleiten. Trotzdem suchen sich unsere Gedanken bereits neue Wege. Die Lebensbejahenden unter uns beschäftigen sich mit neuen Konzepten und es fasziniert mich, wie schnell und kreativ sie auf den Einfluss von außen reagieren.

Die Balkonromanze von Romeo und Julia hatte mir die letzten 14 Tage ein schmunzeln auf die Lippen gezeichnet. In der Nachbarschaft stand ein junger Mann unter Corona mäßigem Verschluss. Seine Liebste, die eine eigene Wohnung bewohnt, stand fast täglich unter dem Erdgeschossbalkon. Nach Ablauf der Frist sind sie nun gestern gesund und munter Händchen haltend vorbei spaziert.

Der Alltag vor dem viralen Überfall wird äußerlich wieder einkehren. Geöffnete Geschäfte und Lokale. Bussi-Bussi Events. Der Opa, der sein Enkerl stolz im Kinderwagen ausfährt. Stauschlangen vor den Stadteinfahrten. Das Kondensstreifenstrickmuster am Himmel. Das vehemente Einfordern zwecks Öffnung einer weiteren Kassa.

Die tatsächlichen Veränderungen werden wohl im Inneren passieren. Und hoffentlich ein neues Außen bewirken.

© Gudrun Salzer 05.04.2020

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