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#familienwahnsinn

"Waaaas giiiiibts...!!"

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"Waaaas giiiiibts...!!" | story.one

Täglich schallt dieselbe Frage durch das Stiegenhaus. Lautstark und nachdrücklich.

Als verbales Vorspiel immer dieselben fünf Buchstaben. Allerdings nur montags bis freitags. Ausgenommen Feiertage, Ferienzeiten. Krankheitsbedingte Leidenstage.

Um die Beantwortung dieser Frage überhaupt nachkommen zu können, bedarf es einer nicht zu unterschätzenden Logistik. Zur theoretischen Planung wird ein wöchentliches Meeting einberufen. Alle Teilnehmer*innen sind für gewöhnlich schon im Vorfeld aufgerufen, praktikable Lösungen zu entwerfen.

Wie so oft kommen mindestens drei Einberufene unvorbereitet in die Sitzung. Was zur Folge hat, dass sich das Procedere unnötig in die Länge zieht. Ermattend, ermüdend, nervenzehrend.

In meiner Doppelfunktion als Moderatorin und Protokollantin stoße ich regelmäßig an meine Grenzen, die intrinsische Motivation meiner Gesprächspartner und der Gesprächspartnerin auf einem produktiven Level zu halten.

Sieben Tagesordnungspunkte stehen Woche für Woche an. In der Regel müssen dazu zwei Blätter Papier abgearbeitet werden, um die Planungssicherheit und die praktische Umsetzung der Folgewoche gewährleisten zu können.

Einen Fixpunkt etablierten wir nach penibler Evaluation schon vor Jahren. Hier gibt es maximal optische Abweichungen im Basisprodukt, das durch spontane, kreative oder saisonale Einflüsse variiert.

Noch sechs Punkte. Nun geht es in die erste Runde. Die Fragestellung orientiert sich an den Vorstellungen der Einzelpersonen. Was aber zur Folge haben kann, dass diese einem basisdemokratischen Prozess zum Opfer fallen. Oppositionelle Grundideen fangen wir ein und verweben sie parlamentarisch.

Grundsätzlich gilt für alle am Verhandlungstisch ein unabdingbares Vetorecht. Wenn es sich um die Durchsetzung des individuell entworfenen Planes dreht.

Punkt zwei- fünf sind abgehakt. In die nächste und hoffentlich finale Runde fließen die Beiträge spontan ein. Im Miteinander werden die Für und Wider erörtert. Die Ergebnisoffenheit ist strikt ausgeschlossen. Die Kompromissfindungen bei den Punkten sechs und sieben schreibe ich zeitelastisch nieder.

Nach der Grobplanung am Reißbrett folgt die Detailplanung. Die Analyse der Lagerbestände bietet die Bestell- und Beschaffungsgrundlage der notwendigen Einzelposten.

Zu Anlieferungszwecken sind fallweise Mittwoch und verlässlich Freitag vereinbart. Für einige Teilbereiche steht kein Lieferservice zur Verfügung und werden somit der Selbstabholung zugeführt.

So um die Mittagszeit. Die Türglocke läutet Sturm. Die Haustür wird entsperrt. Mein "Hallo-o!", hallt durchs Stiegenhaus. Retour schallt ein: "Was gibt es denn heute zum Essen?".

Das penibel Evaluierte, liegt mir auf der Zunge: "Nudeln mit Soße!"

Die zwei Blätter? Der Einkaufszettel und die Sammlung der kulinarischen Wünsche für eine Woche.

In diesem Sinne: "Mahlzeit!"

© Gudrun Salzer 2020-07-07

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