Heimat ist, wo ich willkommen bin….

Da ich Jahrgang 1955 bin, habe ich fast ein ganzes Leben als Europäer verbracht. Viele Menschen und schöne Erlebnisse haben mir in meinem Leben ein Heimatgefühl geben können, wie ich es aus meiner Kindheit in einem Dorf in der Lüneburger Heide kannte. Europa wurde so meine Heimat.

Es waren meine vielen kleinen und großen Erlebnisse und Begegnungen mit lieben Menschen aus unterschiedlichen Nationen, die mich zu einem glücklichen Europäer gemacht haben.

Diese Perlenkette an schönen Erlebnissen möchte ich mit Euch teilen.

Es begann mit der Brieffreundschaft mit einem Mädchen aus Saint-Loup-sur-Semouse. Wir waren 13 Jahre alt und es war wie ein exotisches Erlebnis. Eine dunkelhaarige Französin und strohblonder Norddeutscher, beide schüchtern und neugierig. Wir haben uns nie persönlich getroffen, aber es war ein Anfang, dem später ein Schüleraustausch mit Franzosen folgte. Meine Heimat war größer geworden.

Mit 16 Jahren durfte ich mit meinem Fußballverein nach Schweden und habe Freundschaft mit Björn aus Vadstena geschlossen. Er hat mich in seine Familie mit aufgenommen und mir meinen ersten Tennisschläger geschenkt. Meine Tenniskarriere dauerte nur 4 Wochen, aber Björn und die Schweden vergesse ich nie und ein Sehnsucht nach den Schweden habe ich immer noch. Es gehört zu mir.

Im gleichen Jahr habe ich in den Sommerferien an der Autobahntankstelle als Tankwart gearbeitet. Ein jugendlicher Tramper aus Irland fragte mich nach einer günstigen Unterkunft. Er blieb bei uns einige Tage und zeltete in unserem Garten. Selbstverständlich mit Vollpension und Unterhaltungsprogramm, denn meine Mutter hat ihn umsorgt wie einen Sohn. Ich liebe Irland und die Iren.

Und 1999 war ich mit einer Delegation der Industrie- und Handelskammer Berlin zu einem Symposium in Poznan gefahren. Auf der Rückfahrt mit der Bahn nach Berlin traf ich einen polnischen Herren und drei polnische Frauen, die in Poznan wohnten und unter der Woche in Berlin gearbeitet haben. Sie freuten sich auf ihre Arbeit, freuten sich auf ihre Wochenenden in Poznan mit ihren Familien und luden mich zu Wodka, Wurst und Brot ein. Es war eine unvergessliche Fahrt mit wundervollen Menschen.

Nun könnte ich noch von meiner polnischen Großmutter erzählen, denn vor dem 1. Weltkrieg wohnte meine Familie nicht weit von Poznan, aber das ist ja nichts Besonderes, denn schließlich sind wir ja alle Europäer, oder?

Schließlich lebe ich heute in Oberösterreich und bin dem Charme einer wundervollen Österreicherin erlegen. Sie ist meine geliebte Frau und als Europäer können wir auch Österreich unsere Heimat nennen.

Wie reich ich doch mit meiner Perlenkette bin.

© Günter Müller