„Happy Birthday!“

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„Happy Birthday!“ | story.one

Wie jeden Abend verließ ich pünktlich um 18:00 Uhr mein Büro. Gut gelaunt machte ich mich auf den Heimweg. Heute war mein Geburtstag und ich hatte bereits jegliche Anfragen auf einen geselligen Abend mit Freunden oder Familie dankend abgelehnt. Zwar zuerst widerwillig, sich dann aber doch ihrem Schicksal fügend, hatten sie zugestimmt, dass ich den Abend alleine verbringen durfte. Nichts ging doch über einen netten Fernsehabend mit meiner Lieblingsserie, einer vollen Schüssel Popcorn und meiner Katze Polly.

Glücklich atmete ich die frische Abendluft ein. Die Sonne stand bereits nahe über dem Horizont und tauchte den Himmel in ein sanftes Rot. Voller Vorfreude bog ich in die Seitengasse, in der mein Haus stand. Alles war wie immer. Ruhig und friedlich thronte mein kleines Häuschen inmitten von Rosen- und Rhododendronsträuchern. Die Mauern warfen bereits lange Schatten und hüllten das gesamte Grundstück in dämmriges Licht. Ich wühlte in meiner Handtasche, um den Haustürschlüssel hervorzukramen. Plötzlich hielt ich inne! Was war das? Hatte sich dort bei den Rosenhecken etwas bewegt? Ich bekam Gänsehaut und atmete schneller. Auf einmal flog eine Krähe auf und stieß sich mit lautem Gekrächze in die Luft. Mir entfuhr ein kurzer Schrei. Ich schaute der Krähe hinterher, aber bald hatte der dunkle Himmel ihren schwarzen Körper verschluckt. Mein Blick blieb an meinem Wohnzimmerfenster hängen. Alles war dunkel, aber ich hätte schwören können, einen Schatten gesehen zu haben. "Du siehst schon Gespenster! Hör auf mit dem Quatsch!“, ermahnte ich mich selbst. Mit forschen Schritten, wie um mir selbst zu beweisen, dass ich keine Angst hatte, ging ich auf meine Haustür zu. Ich drehte den Schlüssel im Schloss, atmete noch einmal tief durch und drückte dann die Türschnalle herunter. Drinnen war alles still. Mein Vorzimmer lag dunkel und verlassen vor mir. Ich konnte nur die Umrisse der einzelnen Gegenstände erkennen. Jetzt hörte ich es ganz deutlich! Schritte, ein Flüstern! Ich wusste ich hatte mir den Schatten am Fenster nicht bloß eingebildet! Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich begann am ganzen Körper zu zittern. Mit feuchten Händen versuchte ich mich mucksmäuschenstill zum nächsten Lichtschalter zu tasten. Doch ehe ich ihn erreichen konnte, ging plötzlich das Licht an!

Ich traute meinen Augen kaum: Vor mir standen meine Familie und Freunde, allesamt mit Partyhüten und Geschenken in der Hand. „Happy Birthdaaaay!“

© Hanna Oppelmayer 06.04.2020