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Wider den Strom der Zeit

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Wider den Strom der Zeit | story.one

Bei Rückläufigem Merkur ein Auto zu kaufen, ein Haus oder eine Wohnung zu mieten oder zu kaufen, eine große Reise anzutreten oder einen wichtigen Vertrag zu unterschreiben, das würde ich - als Astrologe mit vierzigjähriger Erfahrung - niemandem raten. Viele Unternehmungen, die während diese Phase begonnen werden, scheitern oft oder werden unangenehm teuer. Das musste ich in den letzten Jahrzehnten mehrmals erfahren. Beim Phänomen des Rückläufigen Merkurs handelt sich um eine dreiwöchige Zeit, wenn der Merkur zwar optisch, aber nicht wirklich zurück läuft; es sieht auf Grund der verschiedenen Umlaufzeiten von Merkur und Erde nur eben so aus. Also alles nur Aberglaube?

Im Juli reisten meine Frau und ich in dieser erwähnten kritischen Zeit - gegen alle Vernunft und mit unserem geliebten Wohnmobil - nach Lappland. Wir dachten, es würde schon klappen, wenn man nur sorgfältig vor ging. Tatsächlich fehlte es sechs Wochen lang nicht an Rückschlägen, Pannen und Pech.

In Strömsund, nach einer Woche in Schweden, stürzte Sabine - wegen einer verschobenen Matratze - aus dem Boxspringbett. Sie hörte und verspürte einen Knacks, hatte sich verletzt, konnte nur unter Schmerzen gehen.

Ihr Smart Phone ließ sich nach einer Woche nicht mehr laden; so hatten wir kein Internet und konnten uns nicht informieren. Das Navi hatten wir daheim gelassen. Die markierte Schwedenkarte der letzen Reise hatte ich vergessen, wodurch wir unsere guten Standorte nicht wieder fanden; wir campierten nämlich durchwegs irgendwo in der Wildnis und nur selten auf einem Camping-Platz.

Der Kühlschrank lud permanent auf, ein surrendes Geräusch, Tag und Nacht: vermutlich ein kaputter Kondensator. Die Standheizung funktionierte nur während der Fahrt, weil der dauernd ladende Kühlschrank die zweite Batterie aussaugte. In Lappland hatte es am Morgen etwa acht Grad, da hätten wir sehr gerne unsere Heizung eingeschaltet. Zu allem Übel war die Dachluke, obschon in Reparatur gewesen, wieder undicht. Bei starkem Regen, der in Schweden nicht selten ist, tröpfelte es herein. Gegen die unzähligen Gelsen kauften wir einen wirklich schwer zu findenden ganz speziellen Thermocell-Strahler, dessen Schalter nach ein paar Stunden kaputt und das Gerät damit unbrauchbar war. So quälten uns die lästigen Biester weiterhin, wenn wir beim Lagerfeuer saßen.

Unseren kleinen Camping-Ofen vergaßen wir an einem See bei Liehittäyä, wo wir fest steckten. Beim Reversieren saß der Bus auf einer Baumwurzel auf. Weit weg von jedem Ort. Zum Glück kam ein freundlicher Schwede vorbei und half uns. Wir schufteten zwei Stunden mit zwei Wagenhebern und einer Axt, ehe sich der Bus bewegte.

Wegen Sabines starken Schmerzen fuhren wir ins Krankenhaus von Lulea. Es stellte sich heraus, dass das Steißbein gesprungen war. Sabine konnte vier Wochen lang nur auf den Knien in den Bus steigen. Wie gesagt, ich würde wirklich niemandem raten, bei Rückläufigem Merkur eine Reise anzutreten.

© Hannes Stuber 2020-04-02

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