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Die Jagd nach der Tuba

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Die Jagd nach der Tuba | story.one

Bei der Gründung der Musikkapelle Sallingberg war nicht nur die Tatsache erschwerend, dass fast keiner der von der Feuerwehr nominierten Musizierwilligen Noten kannte, geschweige denn ein Instrument beherrschte. Somit musste zuerst mühselig begonnen werden, den zukünftigen Musikanten die Noten beizubringen. Nach der dritten Theoriestunde wurde aber schon der Wunsch laut, mit der praktischen Ausbildung auf einem Instrument zu beginnen!

Da ich selbst in der Lehrerbildungsanstalt in St.Pölten nicht nur Waldhorn, sondern auch Trompete blies, nahm ich mich der Blechbläser an. Ein Flügelhornist, der schon bei der Trachtenkapelle Ottenschlag mitgewirkt hatte, unterstützte mich dabei. Die Klarinettisten wurden von einem Musiker in Ottenschlag ausgebildet.

Trotzdem konnten wir bereits nach einem Dreivierteljahr einen Auftritt in Sallingberg anlässlich einer Dichterlesung bewältigen. Bei einem Ständchenblasen in Sallingberg tanzten einige Bewohner auf der Straße vor lauter Freude, dass es wieder eine Musikkapelle in Sallingberg gab. Unser Repertoire umfasste damals vier Märsche und zwei Walzer!

Das zweite Problem war im Besonderen die Beschaffung von Instrumenten. Von den aufgelösten Kapellen waren nur mehr wenige vorhanden, einige besorgten wir uns von der aufgelösten Feuerwehrkapelle Großnondorf.

Vor allem fehlte eine Tuba. Wir wussten, dass eine an den damaligen Bürgermeister von Großgöttfritz, Josef F., verborgt worden war. Der Feuerwehrkommandant von Sallingberg, der den Anstoß zur Neugründung der Kapelle gab, animierte mich, bei der Suche nach einer Tuba mitzuhelfen. Wir machten uns also auf den Weg nach Großgöttfritz, um das Instrument wieder "heimzuholen"!

Nach langem Zureden übergab uns Josef F. widerwillig die Tuba. Er hätte sie nämlich selbst bei Begräbnissen in seiner Gemeinde gebraucht. Schon bei der Tür stehend, bemerkten wir, dass das Mundstück fehlte! Die nicht eingeweihte Ehefrau verriet uns, dass sich dieses wichtige Zubehör in der Kredenzlade befände. Ein schneller Griff von meinem Begleiter in die Lade, und weg waren wir mit Instrument und Mundstück!

Als Bürgermeister F. am nächsten Tag draufkam, dass wir ihn völlig überrumpelt hatten, kam ein sehr verärgerter Anruf mit der Aufforderung, die Tuba wieder umgehend zurückzugeben. Nach einem versöhnlichen Gespräch und der Bezahlung der Kosten für die von F. veranlassten Reparaturen schlossen wir mit ihm Frieden. Pikanterweise half er uns später manchmal bei Begräbnissen aus!

© Hannes Zeisler 13.12.2019

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