Die Mixed Pickles

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Einige Jahr nach Gründung unserer Musikkapelle bestand sie schon in überwiegender Zahl aus jüngeren Mitgliedern. Diese hatten bereits eine bessere Ausbildung, sodass sich die Qualität des Musizierens erheblich steigerte.

Enes Tages trat eine dieser Jungmusikerinnen an mich mit dem Vorschlag heran, eine eigene Gruppe zu gründen, die sich mit modernerer Blasmusik oder entsprechenden Arrangements befassen sollte. Mir gefiel diese Idee und so kam es zur Gründung der "Mixed Pickles". Die Namensgebung hatten die Jungmusiker selbst vorgeschlagen und war sehr passend; eine wirklich "gemixte" Band!

Das Besondere war auch, dass in Originalbesetzung gespielt wurde, also von der Querflöte bis zur Tuba. Einzig das Schlagzeug und die Perkussion wurden dem musikalischen Repertoire angepasst. Schon nach der ersten Probe wusste ich, dass daraus etwas werden könnte.

Unser erster Auftritt erfolgte bei einer Soiree in einem Nachbarort. Der Applaus der Zuhörer war enorm und ein richtiger Ansporn, noch besser zu werden. Wir hatten einige Solisten, ob bei der Flöte, der Trompete, der Posaune oder beim Saxofon, die bei ihren Auftritten glänzten.

Unsere Engagements konnten sich durchaus sehen lassen. Drei Begebenheiten sind mir in besonderer Erinnerung. Da war zunächst eine Ausrückung zur Ferienmesse in Wien. Dies hatte ich dem Umstand zu verdanken, dass ich als Obmann des Tourismusverbandes "Waldviertel Mitte" gute Beziehungen zur Fremdenverkehrsabteilung des Landes Niederösterreich hatte; vor allem zu Hofrat Dr.Günther W., dem zuständigen Chef der Abteilung. Wir begannen mit dem Radetzky-Marsch und ich erklärte den Zuhörern: "Das spielen wir normalerweise!", um dann gleich mit dem Saint Louis Blues Marsch loszulegen! Den Cineasten wird die Nummer aus der Glenn Miller Story sicher in Erinnerung sein. Das war ein Hallo im Zuschauerraum und es gab einen riesigen Applaus!

Unser ältester Sohn kannte von seiner Ausbildung her die spätere Chefin eines Hotels in Pöllauberg. Wir machten mit den Mixed Pickles einen Ausflug dorthin und nächtigten in dem Hotel. Am Abend hielt ich eine intensive Probe ab. Plötzlich tauchten immer mehr Gäste auf, um uns zuzuhören. Als wir eine Rumba anstimmten, schwangen auf einmal einige Paare das Tanzbein. Es wurde ein fröhlicher Abend.

Unvergessen bleibt ein Ausflug nach Grünau im Almtal. Wir nächtigten im Hochberghaus, weil wir den Hüttenwirt von unseren Wanderungen in diesem Gebiet gut kannten. Nach dem Frühstück hatte ich wieder eine Probe angesetzt. Wie es der Zufall wollte, befand sich zur gleichen Zeit auch eine Reisegruppe aus Bayern im Haus. Kaum hatten wir mit dem Musizieren begonnen, füllte sich der Saal und einige Jugendliche, die einem Tanzklub angehörten, legten zu unserer Musik einen tollen Rock'n'Roll hin. Es entstand eine tolle Stimmung und die Gäste verweigerten den Ausflug zum Almsee, weil sie uns noch zuhören wollten! Leider löste sich nach zehn Jahren die Gruppe auf!

© Hannes Zeisler