Reif für die Insel – der Tauchgang

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Ich beschließe, die beiden Deutsch-Philippiner ausfindig zu machen, die uns bei der Überfahrt wegen ihrer mitgeführten Taucherausrüstung aufgefallen waren und uns in ihr Resort eingeladen hatten. Die Adresse hatte ich nicht mehr in Erinnerung, doch in der Hafenkneipe konnte man mir weiterhelfen.

Die Jungs – deren Eltern ein kleines Lokal am Strand betrieben - studierten in Deutschland und organisierten über die Ferien Tauchgänge.

In jungen Jahren tauchte ich mit Gleichgesinnten im Ossiachersee, um dort versenktes Kriegsgerät aus den Weltkriegen gewinnbringend ans Tageslicht zu befördern, was letztlich mit geplatzten Trommelfellen endete und nur durch das mitgeführte Bergeseil glimpflich verlief. An der ligurischen Küste wiederum faszinierten mich die vielen Grotten und das Fischen mit Harpune. Das alles ohne Sauerstoffgeräte.

Also absolvierte ich als erstes eine Einführung in das Tauchen mit Flasche, Blei und Atemmasken, was mit meinen 74 Lenzen und Kreuzproblemen beim Dressing zwar etwas beschwerlich aber dann im Wasser wie weggezaubert war. Als nächstes vereinbarten wir einen Tauchgang am Riff direkt vor unserem Domizil, wo ich mich schon mit der Schnorchel umgesehen hatte. Die gesamte Bucht war Schutzgebiet und mit Bojen als solches sichtbar gemacht. Zu meiner Überraschung hielten sich die örtlichen Fischer nicht nur selbst daran sondern wachten auch darüber, wovon ich mich täglich von der Hausterrasse aus überzeugen konnte. Auch war ich davon angetan, dass nicht mit Motorbooten gefischt wurde, sondern die Netze von Ruderbooten ausgeworfen und dann händisch zusammengezogen wurden. Bei einigen Dosen Bier beim nächsten ‚Market‘ klärte mich dann ein Fischer auf, dass dies nur dem fehlenden Geld geschuldet sei.

Die Jungs kamen pünktlich um zehn mit aller Ausrüstung angefahren und ich musste die beiden Haushunde, mit denen ich bereits bestens befreundet war, beruhigen. Beide begleiteten mich auf Schritt und Tritt und übernahmen sogleich die Überwachung meiner Badetasche. Ich hatte bereits den Bleigürtel umgeschnallt, als mir gerade noch einfiel, dass ich meine beiden Hörgeräte noch an hatte. Also ersuchte ich den Tauchlehrer, diese bei meiner Badetasche abzulegen, was aber nicht möglich war, weil meine vierbeinigen Freunde dies nicht zuließen. Also legten sie die Hörgeräte zu ihren Sachen. Los ging‘s! Es war faszinierend so ohne ständige Sorge um die Atemluft entlang des Riffs zu gleiten und Teil dieser Wunderwelt zu werden. Sogar ein Sandhai interessierte sich für uns. Ärgerlich waren nur die herumliegenden Plastikflaschen und Autoreifen. Viel zu schnell kam das Zeichen für das Auftauchen. Am Ufer wurde ich schwanzwedelnd von den Hunden begrüßt. Vor der Badetasche lag da etwas im Sand, das mir wohlbekannt war. Meine Hörgeräte! Da wollte mir wohl jemand eine Freude machen. Eines davon war nicht mehr zu retten.

© Hans Hubert Steiner