Reif für die Insel - im Hafen ist gut ...

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Reif für die Insel - im Hafen ist gut ... | story.one

Etwa 2 Stunden nach der planmäßigen Abfahrtszeit legt unsere Fähre endlich an.

Während meine Koffer außen von den angeheuerten Trägern von der Sicherheitskontrolle unbeachtet am Lastkarren vorbeigeschoben werden, tastet mich eine rundliche Uniformierte sachte ab und lässt mich ungehindert passieren. An der Ausgangstüre winkt mich der Träger zu sich und deutet auf die gerade in Aufbau befindliche Gangway. Ich könnte gleich nach Freigabe an Bord gehen.

Dies lehne ich jedoch aus mehreren Gründen ab: Erstens will ich sicher gehen, dass meine Koffer auch am Schiff landen, zweitens ist die Gangway so schmal, dass man Gepäck nur am Rücken tragen kann, was meinem Freund mit seinen 2 Koffern nur in 2 Gängen möglich wäre und schließlich möchte ich mir ansehen, wie die vielen Passagiere mit ihren Habseligkeiten die wackelige Gangway hochkommen. Mit meiner Einschätzung, dass es bis zur Abfahrt wohl noch weitere 2 Stunden dauern würde, lag ich schließlich nicht weit daneben.

Ich suchte mir daher eine geeignete Stelle, von der ich das Geschehen gut beobachten konnte.

Die Passagiere, die keine Sonderklasse gebucht hatten, versammelten sich am Pier, vom Schiff getrennt durch Baugitter, während die Träger ihre Packstücke seitlich am Bug aufstapelten: mit Reis gefüllte Säcke, originalverpackte Elektrogeräte, Fahrräder, Möbel, usw. – aber auch Lebendvieh in handgeflochtenen Käfigen.

Oben am Reling stand einer der Träger mit einem Seil, das er hinunter zu seinem Kollegen am Pier warf. Dort wurde je ein Packstück vertaut und daran ein zweites Seil befestigt, mit dem verhindert wurde, dass die Packstücke an der Schiffswand aufschlagen konnten.

Dies funktionierte auch recht gut, bis der Käfig mit den Ferkeln hochgehievt wurde. Da riss das Seil das handgeflochtene Türchen aus der Verankerung und die Schweinchen köpfelten aus etwa 5 Metern ins Hafenbecken. Die 3 Ferkel waren wohl ziemlich geschockt, denn anstatt zur Anlegestelle zu schwimmen ging es Richtung offenes Meer. Bei den Trägern zunächst Schockstarre, dann lief der an Bord befindliche Träger unter lauten Zurufen der Bodenmannschaft Richtung Bug und köpfelte in voller Montur knapp vor dem Borstenvieh ins Hafenwasser. Die Schweinchen drehten tatsächlich Richtung Anlegestelle ab und konnten dort gemeinsam mit dem Retter in Empfang genommen werden.

Schließlich übernehme ich von meinem Freund den Handkoffer mit den steirischen Köstlichkeiten und wir erklimmen gemeinsam das Schiff. An Bord unter unzähligen Hängematten aufgestapelt das Reisegepäck der Passagiere erster Klasse. Später wissen wir, dass es dort angenehmer war als in der von uns gebuchten Sonderklasse. Diese hatte nämlich beidseitig 8 Großraumkabinen, jede mit vier Stockbettenaufbauten zu je 4 Betten übereinander, also 32 Betten je Kabine. Zum Glück waren die Betten nur etwa zur Hälfte gebucht - allerdings überwiegend von Müttern mit bis zu 10 Kindern - die sich ein Bett teilten ....

© Hans Hubert Steiner 29.08.2019