Die Granate

Wir hatten eine kleine Landwirtschaft,die hauptsächlich meine Mutter betrieb,da mein Vater in einer Mühle beschäftigt war und daher wenig Zeit fand,ihr zu helfen.Fallweise war es aber nötig,dass wir Kinder auch anpackten.

So mähte eines Tages mein Bruder Sepp mit der Sense einen Feldrain am sogenannten Ziegellus,der sich zwischen Rudmanns und Edelhof erstreckte.Ich assistierte ihm,indem ich das Gras zusammenrechte

Bei einem A-Masten entdeckten wir plötzlich eine Eierhandgranate.

Es war kurz vor Kriegsende und es lag eine Menge an gefährlichen Relikten des unseligen Krieges umher.Mein Bruder kannte sich ziemlich gut mit Waffen aus,da er,obzwar erst 15 Jahre alt,schon eine Ausbildung für einen möglichen Kriegseinsatz absolvieren musste !Sogar mit Panzerfäusten erhielt er eine Ausbildung !

Er meinte:"Die Granate werden wir entschärfen !",riss die Zündschnur los und warf die Granate über die Straße,die nach Edelhof führte,und noch weiter über eine kleine Böschung.

Wir waren allein auf dem Feldrain und konnten auch niemanden rundum gewahrnehmen.

"So",sagte mein Bruder,"schau ma noch,wölche Wirkung de Gronodn g'hobt hot!"

Ich war natürlich schon sehr neugierig,was nach der Detonation passiert war,und überquerte mit meinem Bruder sehr rasch die Straße und die kleine Böschung.

Als wir drüben angekommen waren,bemerkten wir zu unserem Entsetzen,dass auf einem angrenzenden Feldrain eine ältere Frau aus Rudmanns lag,plötzlich aufsprang und zitternd stotterte:"Buam,auf mi haubns' g'schossn !"

Sie war mit Feldarbeit beschäftigt gewesen.Wir hatten sie wegen der Böschung nicht gesehen und sie hatte uns auch nicht bemerkt.

Zum Glück war die Granate in einen Graben gefallen,der etwas Wasser führte und ziemlich schlammig war, und hatte nur ein verhältnismäßig kleines Loch gerissen.Einige Erdbrocken lagen verstreut in der angrenzenden Wiese.Die Bäuerin hatte glücklicherweise doch weit genug von dem Granateneinschlag gearbeitet,sodass sie nicht gefährdet war.Hätte allerdings mein sportlicher Bruder weiter geworfen,wäre es nicht so glimpflich ausgegangen !

Wir waren sehr erleichtert,dass nichts passiert war,verzichteten aber darauf,sie aufzuklären,wer der Übeltäter war !

© Haze