Findelkätzchen Rasputin

Wie wir zu unserem neuen Stubentiger gekommen sind, ist eine eigene Geschichte. Meine beste kleine Freundin Veronika und ich reiten diesmal von Falkenstein zur Staatzer Ruine. Ich habe heute Geburtstag, deshalb möchte ich schon ein besonderes Ziel anpeilen. Sie sattelt unseren braven Haflinger Stuzy, ich unseren manchmal zu flotten Isländer Ljufúr. Los geht's!

Es ist wohltemperiert und Herbst liegt in der milden Luft. Gut gelaunt machen wir uns auf den Weg. Wir reiten über den Hügel, der Landman genannt wird, und vor uns breitet sich die Laaer Ebene aus. Nicht weit entfernt trohnt die Ruine Staatz mächtig darin. Auf dem Feldweg dorthin kommen wir zu einer Bahnunterführung.

Dunkel und kühl liegt sie vor uns. Da hören wir von dort ein klägliches Miauen! Es kommt von einem kleinen abgemagerten Kätzchen. Seine Augen und seine Nase sind verklebt vom Schnupfen. Es kann nur dort ausgesetzt worden sein, denn es ist ganz zutraulich. Außerdem sind es bis zur Ortschaft mindestens noch zwanzig Minuten Gehzeit. Ach je, was machen wir nur? Ich beschließe, die Mieze, sollte sie noch da sein, auf dem Rückweg mitzunehmen.

Wir beeilen uns, um auf die Ruine hinaufzukommen. Das letzte Stück des Weges ist sehr eng, deshalb sitzen wir ab und führen wir die Pferde. Oben machen wir eine Pause und genießen den weiten Blick in die Ferne. Weniger schön: Das AKW Dukovany ist am Horizont sichtbar. Stuzy ist sehr angetan von den Autos die er in der Ebene fahren sieht. Sie sind ganz winzig und er verfolgt sie mit seinem Blick. Ljufúr dagegen beschäftigt sich mit Grasrupfen. Aber Veronika und mich hält es nicht lange und wir machen uns an den Abstieg. Dann starten wir im flotten Trab Richtung Bahnunterführung.

Ja, das rote Kätzchen ist noch da. Sein Miau ist größer als es selbst. Wir sitzen ab und ich nehme das magere Tierchen auf. Sofort beginnt es zu schnurren. Aha, es ist ein Kater. Aha, Flöhe hat er auch. Was soll's. Seit einem Jahr sind wir ein katzenloser Haushalt, da trifft es sich sehr gut eine Samtpfote zu finden.

Ich leg' ihn Veronika in die Hand, schwinge mich auf Ljufúr und sie reicht ihn mir hinauf. Mit einer Hand halte ich die Zügel mit der anderen drücke ich den kleinen Kerl sanft an mich. Auch Veronika sitzt auf und wir nehmen den restlich Weg heimwärts in Angriff. Cirka eine Stunde brauchen wir bis nach Hause. Die ganze(!) Zeit schnurrt dieses magere kranke Katerchen. Mir scheint, er ist glücklich Wärme zu spüren.

Daheim übernimmt Veronika das Versorgen der beiden Pferde. Ich ruf' sofort die Tierärztin an. Ja, ich kann gleich mit ihm vorbeikommen. Danke an dieser Stelle! Nachdem sie ihn versorgt hat, gehe ich noch Futter und Streu kaufen. Jetzt kann eine neue katzenbereicherte Zeit beginnen. Gute Aussichten! Auch mein Mann freut sich, daß wieder ein Stubentiger im Haus ist. Einen Namen braucht das Findelkätzchen noch. Wie wär's mit Rasputin? Ja, der paßt.

© Hedwig Kromer