Prompt erfüllt

Vor Ärger könnte ich mich in den Allerwertesten beißen. Zum Glück habe ich noch meine eigenen Zähne, also geht das nur in Gedanken. Hab' ich mir schon wieder was von oben bestellt und nicht bemerkt, daß ich das gerade tue. Jetzt bin ich stocksauer, weil die Erfüllung dermaßen prompt erfolgt ist. Dabei ist es mein eigener Wunsch gewesen.

Meine Schwester hat mich eingeladen zu den Seefestspielen nach Mörbisch. Es ist eh nett von ihr, aber ich will nicht. Ich hab kein Interesse, fast zwei Stunden hinzufahren. Um Mitternacht wäre das Gleiche retour. Mir fehlt die Energie, mich in Schale zu werfen und lieb und nett zu sein.

Am Mittwoch ruft sie mich freudestrahlend an, daß sie auch für mich eine Karte ergattert hat, für Donnerstag. Jede einzelne Faser in mir sträubt sich gegen den Gedanken, zu den doch schönen Festspielen zu fahren. Also sorgt das Universum dafür, daß ich dort nicht hinkomme.

Um 20Uhr geht es in Mörbisch los. Einigermaßen knapp starte ich von Eisenberg. Im entscheidenden Moment bin ich mit was weiß ich beschäftigt und verpasse deshalb die richtige Abfahrt in Oberwart. Zweimal fahr ich im Kreis, um meinen Weg Richtung Oberpullendorf zu finden. Wenigstens gibt es einen Lichtblick am Rande: Hanffelder. Obwohl ich schon nervös werde, wegen der verrinnenden Zeit, ein Pflänzchen hole ich mir. Es duftet wunderbar!

Endlich bin ich auf der richtigen Strecke. Sittsam durch Jormannsdorf durch, Bernstein ist die nächste Zwischenetappe. Da beginnt ein gelbes Lichtlein zu blinken. Technik ist nicht meines- ich unterdrücke meine aufkeimende Panik. Das Gasgeben funktioniert nicht mehr ordnungsgemäß!! Ich nähere mich der Abzweigung nach Grodnau. Gleich hinter der Kreuzung ist eine Bushaltestelle. Ich bin so erleichtert! Nichts wie dort stehen geblieben. Ich vertraue auf die spärliche Busfrequenz um diese Tageszeit und allenfalls auf die Nachsicht der Chauffeure.

Nach einigen Minuten starte ich nochmals den Motor, aber das gelbe Blinken ist immer noch da. Es hilft nichts. Ich gebe zuerst meiner Schwester Bescheid, daß mein Auto darniederliegt, dann rufe ich bei der Notfallhilfe an. In cirka 2Stunden wird der Pannenfahrer bei mir sein. Na gut. Es wird schon dunkel und ich bin soo froh, wenigstens ein ruhiges Plätzchen zum Warten gefunden zu haben.

Der nette Herr steckt seinen Computer an und innerhalb von ein paar Minuten hat er die Diagnose. Die Einspritzdüse hat das Zeitliche gesegnet. Das bedeutet abschleppen zur Werkstatt. Routiniert befestigt er mein Auto und schon geht es Richtung Großpetersdorf.

Mein zweiter Glücksfall an diesem Abend: Georg holt mich von dort ab und führt mich nach Eisenberg. Da bin ich ihm sehr dankbar dafür! Er und seine Frau Gitti sind echte Freunde hier.

Inzwischen dämmert mir: das Universum hat meinen Wunsch, nicht fortfahren zu müssen, prompt erfüllt. Inzwischen könnte ich schon wissen, daß es so läuft. Danke, daß es nicht schlimmer gekommen ist.

© Hedwig Kromer