Am Weihnachtstag kam Amerika nach Hallein

In meiner Kindheit war Weihnachten noch ein richtiges Kirchenfest. Traditionelle Lieder wurden gesungen. Alles musste sehr feierlich sein. Mich hat das ja immer mehr an eine Trauerfeier als ein Freudenfest erinnert. Ganz so schlimm war es bei mir zu Hause ja nicht, aber der Ablauf war auch genau geplant. Am Morgen schon Weihrauch am Ofen und zu Mittag gab`s dann Wuchteln, weil ja ein Fastentag, und um 17.00 Uhr gingen wir aufs Grubergrab. Nach der feierlichen Zeremonie durfte ich dann allen möglichen Leuten, die meine Eltern kannten, frohe Weihnachten wünschen. Mir war das sowieso unverständlich, denn eigentlich ist Weihnachten ein Familienfest und was gingen mich da die fremden Leute an. Meist durch gefroren, oder völlig durchnässt kamen wir dann endlich nach Hause. Pünktlich um 18:30 Uhr war Bescherung. Wir sangen natürlich nochmals Stille Nacht, mit meinen Großeltern - fünfstimmig. Danach gab´s Geschenke und eine Jause. Dann wurde die Heilige Mette im Fernsehen angeschaut und dazu gab`s die Mettensuppe mit Würstel.

Der Weihnachtstag wurde immer bei meiner Tante gefeiert. Die hatte als junge Frau während der Besatzungszeit bei den amerikanischen Soldaten immer an Weihnachten bei deren Feierlichkeiten ausgeholfen und so einiges von deren Bräuchen übernommen. Während bei uns Strohsterne hingen und Kerzenlicht leuchtete, funkelte das ganze Wohnzimmer inklusive Christbaum in allen Farben mit einer elektrischen Lichterkette und weißem Kunstschnee. Keine langweiligen und traurigen Weihnachtslieder, nein Lieder zum Mittanzen, mit englischem Text, von uns Kindern perfekt interpretiert.

Das tollste aber waren die Süßigkeiten am Christbaum. Keine Engel nein, 15 cm große Schokoladenpapageien in Silberglanzpapier und bunten Federn. Feinste Schmuggelware aus Bayern. Es gab Kaffeegeschirr aus Glas und Servietten mit roten Weihnachtsbären. Auf der Tischdecke lag überall Flitter (Goldfolie mit dem Locher gestanzt) das war ja toll. Selbstverständlich waren wir Kinder auch ganz in Amerika Style gekleidet – in blauen Jeans und Pferdeschwanz. Zu später Stunde gab es dann noch Eierpunsch, allerdings nicht für uns Kinder. Obwohl es leicht passieren konnte, dass man bei der Schüssel anstieß und so kurz den Finger hinein halten musste, damit nicht alles umfällt. Der musste dann selbstverständlich sorgfältig abgeleckt werden. Nicht auszudenken, wenn alles klebrig würde.

Mit viel Lachen und doch wieder Stille Nacht auf Deutsch ging dieser Weihnachtstag zu Ende.

© Heidemarie Leitner