Buddha mag keine Schuhe

Das Tropenfieber hatte uns gepackt und so beschlossen wir diesmal eine Reise nach Fernost zu versuchen. Kurz vor Ostern sassen wir im Flieger von Wien nach Colombo (Sri Lanka). Die Flugreise war anstrengend, die Busfahrt mit Stopp mitten auf der Brücke, wo der Fahrer ausstieg um hier ein „Opfer“ darzubringen, sehr turbulent, aber das Zimmer mit seinem hohen Sichtdachstuhl und der Ausblick über die Palmen aufs Meer waren schon sehr schön.

Die Ernüchterung kam gleich, da das Meer wegen zu hoher Wellen gesperrt war. Auch der Strand war menschenleer. Zum Glück gab es einen Swimmingpool, indem unsere 5jährige Tochter schwimmen konnte. Wir wollten unserer kleinen Tochter keine extreme Besichtigungstour zumuten und so erkundigten wir uns vor Ort, was es so gibt.

Eine ältere Dame aus Deutschland, die hier schon den zehnten Winter verbrachte, erwies sich als hilfreiche Ratgeberin für unsere Belange. Sie besorgte uns zuerst einen jungen Mann als „Begleiter“. Mit diesem konnten wir dann die Eisenbahnbrücke über den Bentota Fluss überqueren und ins „echte singalesische Leben“ eintauchen. Dort lernten wir auch einen Batik Fabrikanten kennen, der uns am Karfreitag zum „Lobster Essen“ zu sich nach Hause einlud. Wir wurden zu Fuss abgeholt und dann ging es immer tiefer in den Dschungel, vorbei an züngelnden Waranen, Schlangenbeschwörern und sonstigem Getier. Die Familie war sehr nett, das Essen vorzüglich und wir konnten uns mit einem „Schneevideo aus den Salzburger Bergen“ auf unserer Kamera, sozusagen bedanken. In völliger Dunkelheit mit unheimlichen Geräuschen, die auch meine Phantasie nicht gerade positiv beflügelten, ging es zurück ins Hotel.

Ein paar Tage später gingen wir zum Fluss und liessen uns mit einem kleinen Boot den Fluss entlang rudern. Zu meinem Entsetzen ging es gleich in die Mangroven hinein und die ersten Warane steckten ihre Köpfe aus dem Wasser. Plötzlich hielt das kleine Boot und die beiden Männer forderten uns auf aus zusteigen. Mit freundlicher Stimme sagte einer der Männer: „Madame, bitte Schuhe ausziehen, heiliger Boden, bitte!“ Ich zögerte kurz, erkundigte mich nach der Gefahr von Schlangen. Die Männer lachten. „Es gibt viele Mungos, keine Angst!“ So gingen wir barfuss auf dem schmalen Pfad in sengender Hitze durch den Dschungel. Oben angekommen, standen wir vor einer alten Holztüre die uns geöffnet wurde und dann durften wir hinein. Es war dunkel, duftete, wie in Gottes Blumengarten und ein riesiger liegender Buddha strahlte uns an. Wir waren überwältigt. „Das ist Galapatha. Sie sind willkommene Gäste“, sagte unser Begleiter. Wir verweilten kurz an dieser herrlichen Stätte und dann ging es wieder abwärts zu unserem Boot.

Sri Lanka ist eine wunderschöne Insel, aber ich werde nicht wiederkommen. Buddha ist mir in guter Erinnerung, besonders dann, wenn ich barfuss durch meinen Wald in Puch gehe.

© Heidemarie Leitner