Christkind kann`s nicht lassen

  • 138
Christkind kann`s nicht lassen | story.one

Meine Eltern haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass ich die vielen Sportangebote in meiner Heimatstadt Hallein nutzen konnte. So habe ich zum 2. Geburtstag meinen ersten Schlitten bekommen. Mit 5 Jahren hat mit das Christkind weisse Leder-Schlittschuhe gebracht und mit 6 lieferte das Christkind meine heiss geliebten ersten Ski. Die ersten Gehversuche und Abfahrten gab´s gleich vorm Haus auf den zusammen geschobenen Schneehügeln und auf der Achleiten am Dürrnberg. Eine Wiese eines Bauerngehöftes, wo meine Eltern mit ihren Skiern eine „Piste“ ausgetreten haben und ich hier erstmals so richtig die Freiheit unter den Brettln spüren konnte.

Die erste Liftfahrt bestritt ich in den Weihnachtsferien am Schlepplift am Dürrnberg. Im Laufe der Zeit hat mir dann das Christkind immer die jeweils modernste Skiausrüstung gebracht und auch das Skifahren am Dürrnberg wurde zu meiner liebsten Freizeitbeschäftigung im Winter. Aber die Zeiten haben sich geändert und auch die Ansprüche ans Skifahren und irgendwann fehlte mir die Zeit Innergebirg zu fahren und so habe ich das Skifahren aufgegeben.

Als unsere Tochter geboren wurde, wusste ich genau, dass wir in den folgenden Jahren Skifahren werden. Selbstverständlich durfte sie, so wie ich alles ausprobieren, obwohl in den 1980er Jahren in Hallein nichts mehr von der einstiegen Sportstadt, wie ich sie in den 1960er erlebte, vorzufinden war. Praktischerweise wurde im Kindergarten von der Skischule am Dürrnberg ein Kinderskikurs nach Weihnachten angeboten. Darum fand in diesem Jahr das Christkind am Wunschzettel auch Skier für Mama und Papa, damit die auch mitfahren konnten. Die Freude unserer kleinen Tochter am Heilig Abend war sehr gross, hatte das Christkind doch alles brav geliefert.

Die Leidenschaft zum Skifahren war sofort wieder da. Durch meinen Onkel, der zu dieser Zeit in Saalbach Pfarrer war, konnten wir dieses himmlische Vergnügen oft geniessen.

Unsere Tochter wurde älter und ging lieber mit Freunden zum Skifahren und so gab ich das Skifahren wieder auf.

In der Zwischenzeit hat meine Enkeltochter ihre ersten Ski vom Christkind erhalten und ihre Leidenschaft zum Skifahren entdeckt. Als sie voriges Jahr dann ihre erste Medaille gewonnen hat, stand für sie fest. „Oma zu Weihnachten schreibe ich dem Christkind, dass du auch Ski brauchst, damit wir gemeinsam Skifahren gehen können.“ Ich habe ihr lang und breit versucht zu erklären, warum mir das Christkind keine Skier bringen wird und so war es auch.

Im Februar habe ich mir ein neues Allradauto mit „Winter-Edition“ gekauft. Zu meiner Überraschung fand ich in diesem Auto limitierte Carving-Ski mit Bindung in einem Skisack vor.

Zuhause angekommen wurde ich von meinen Enkelkindern schon erwartet. Als meine Enkeltochter die Ski erblickte strahlte sie vor Freude und meinte nur „Oma das Christkind, hat es sich doch noch anders überlegt. Jetzt kann ich endlich mit dir Skifahren gehen.“

© Heidemarie Leitner 04.11.2019