Der Genuss von Bella Italia

In den 1960 Jahren war es nicht üblich auf Urlaub zu fahren und schon gar nicht mit dem Auto ans Meer. Ich hatte da Glück. Meine Eltern hatten bereits in den 1950er Jahren mit ihrem Fiat 600 Venedig erobert und nun nach einigen Jahren, wo wir in Mattsee im Zelt den Urlaub verbrachten, sollte auch ich in den Genuss von „Bella Italia“ kommen. Diesmal aber nicht, wie sonst mit der Verwandtschaft, sondern mit befreundeten Ehepaaren und deren Kinder.

Mitten in der Nacht, wahrscheinlich 3.00 Uhr Früh, wurde ich geweckt und dann auf den Rücksitz unseres VW Käfers auf das Bettzeug und all´ dem Zeugs, dass nicht in den kleinen Kofferraum passte, hinein gepackt. Wir fuhren im Konvoi, gleich an zweiter Position. Entlang des Salzachtals und dann hinauf nach Böckstein. Da fuhren wir dann mit dem Auto auf den Zug und dieser transportierte uns im Morgengrauen durch den Tunnel nach Mallnitz.

Etwa eine Stunde Fahrt nach der Grenze machten wir Rast in einem kleinen Ort im Kanaltal. Der Tagliamento war unser stetiger Begleiter bis wir in die weite Ebene der Lagune kamen und ich das erste mal das Meer roch. Zielsicher chauffierte unser kleiner Konvoi auf den Campingplatz zu. Ein kleines Stück Pinienwald mit Sandstraßen und am Eingang ein Schranken und daneben ein kleines Geschäft mit einem noch nie gesehen Perlenvorhang an der Eingangstür.

Die Eltern entschieden sich für eine „Strada“ in der Nähe der Waschanlagen. Wir waren sechs Familien und jeder bezog seine Parzelle. Wir Kinder allesamt routinierte Camper packten flott mit an. Nachdem die Zelte standen und alles eingeräumt war, machten wir eine kurze Inspektionsrunde durchs Gelände und dann gab es Spaghetti Bolognese mit Coca Cola – so was konnte es nur in Italien geben – wir Kinder liebten dieses Essen.

Jetzt aber ging es endlich an den Strand. Der Sand war sehr heiss, aber wir sind flott zum Wasser gelaufen und haben uns hineinfallen lassen – pfui – salzig! An diesem Tag war das Badevergnügen kurz. In den nächsten Tagen konnten wir diesem Vergnügen zwei Stunden am Vormittag und Nachmittag frönen. Danach gab es Abendprogramm. Das war ja richtig toll. Es gab hier einen „Luna-Park“ mit viel Fahrwerk für uns Kinder und auch einer gefährlichen Geisterbahn für die Mütter.

Aber das Beste gab´s am Strand. Ein fahrendes Wasserkarussell. Schon von weitem hörte man die Rufe und dann kam dieses mächtige rote Ding immer näher. Meine Mama setzte mich in ein kleines Boot und dann ging es schon los – das Karussell drehte sich immer schneller und das Meerwasser spritze mir ins Gesicht. Ich hoffte, dass es nicht enden würde. Das Vergnügen gab es nur einmal, aber dafür bekam ich mein „explorer I“ ein kleines Schlauchboot und konnte damit, mit Hilfe meines Papas, die Meereswellen bezwingen. Mit noch mehr Gepäck, braun gebrannt und ein paar Worten Italienisch, ging es wieder Heim.

Mama kochte mir dann auch zu Hause Spaghetti Bolognese und dazu erklang vom Plattenspieler „Marina“ von Rocco Granata - Ciao Bella Italia!

© Heidemarie Leitner