Die Weihnachtsbotschaft im Herzen tragen

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Die Weihnachtsbotschaft im Herzen tragen | story.one

Ja, das Einstimmen auf die stillste Zeit im Jahr. Dieses Einstimmen haben Marketingexperten jahrelang genau untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, das dies doch mit lauter Ankündigung am Besten gelinge.

Also ertönt in den Einkaufszentren Weihnachtsmusik, die sich spätestens alle zwei Stunden wiederholt und somit gewährleistet ist, dass nicht nur die Kunden, sondern vor allem das Verkaufspersonal, sorgfältig und gründlich auf die stillste Zeit im Jahr konditioniert wird. Und bereits im August bei fast 30 Grad Hitze musste der erste Lebkuchen verkostet werden, um die Vorfreude auf die bevorstehende stillste Zeit ja nicht zu versäumen. Ganz abgesehen von den wichtigen Werbemitteln für die bevorstehende Geschenke-Invasion. Nicht vorzustellen, wenn die stillste Zeit im Jahr so ganz ohne Geschenke daherkommen würde. Aber worauf oder worüber sollte sich die Menschheit freuen?

Ach ja, ich erinnere mich, auf die Geburt Jesu! Auf den Erlöser! Aber sogar der hat ja gleich nach der Geburt auch schon Geschenke bekommen und auch die Hirten, wie in den Überlieferungen beschrieben, haben sich schon Gedanken gemacht, was sie dem Kinde nicht alles schenken sollten und auch die Engel kamen und frohlockten. Da war es dann bestimmt auch nicht still. Ebenso kamen die Heiligen drei Könige und beschenkten das Kind reichlich. Und auch diese edlen Herren hatten bestimmt jede Menge Gefolge an Mensch und Tier bei sich, und dann war es wiederum nicht still und schon gar nicht vorher, denn da musste das Ganze ja organisiert werden, den das „Wunder“ war ja bereits lange vorher angekündigt worden und traf dann alle doch so überraschend.

Auch in meiner Kindheit war es keinesfalls still. Zugegeben zwar nicht so laut wie heutzutage und die stillste Zeit im Jahr begann doch erst mit dem Advent, aber dafür wurde es dann hektisch: Kekse backen, Lieder lernen, Weihnachtsbasteln, Geschenke selber machen oder kaufen, noch öfter in die Kirche gehen und nicht zu vergessen, der große Weihnachtsputz. Und jedes Jahr schien es, als würde es vorher noch nie eine stillste Zeit im Jahr gegeben haben.

Alle Jahre wieder kam die stillste Zeit im Jahr und verbreitete Lärm und Hektik und endete mit lautem Frohgesang beim Weihnachtsbaum, der je nach wirtschaftlicher Lage mit mehr oder weniger Geschenken unterlegt war. So wie die Menschenschar, die im Laufe des Lebens wechselte, einmal mehr Kinder, dann mehr alte Menschen. In manchen Jahren hat das Leben geliebte Menschen genommen, in anderen Jahren liebe Menschen hinzu gebracht. Still war es aber trotzdem nie.

Die stillste Zeit im Jahr, sie ist nicht an ein Kalenderdatum gebunden. Die stillste Zeit im Jahr, sie findet im Herzen statt. Immer dann, wenn uns das Leben zum Innehalten auffordert und wir dann voller Freude und Zuversicht und in aller Stille uns auf das zukünftige Leben freuen können. Immer dann, wenn es in unseren Herzen Weihnacht wird, dann ist die stillste Zeit im Jahr.

© Heidemarie Leitner 01.12.2019