Elefanten machen keine Gratis-Überstunden

Die Singhalesen sagen: „Wir sind Indien ohne Tiger“. Ich stellte fest: „Es gibt noch reichlich anderes gefährliches Getier!“ Die Elefanten hatte ich dabei aber nicht im Gedanken. Diese schönen grauen Riesen, von den Einheimischen durchaus verehrt, sind überall zu sehen. Natürlich erzählte man uns auch vom berühmten Elefanten-Waisenhaus in Pinnawala.

So machten wir uns per Kleinbus auf die Reise von Bentota Richtung Norden. Es folgte eine Sightseeing Tour der etwas anderen Art, denn man fährt fast 4 Stunden durch das Land, meist über Lehm- oder Schotterstrassen. Der Fahrer, mehr als tollkühn, umfuhr mit höchster Geschwindigkeit jedes Hindernis, das sich darbot, meist Moped- oder Fahrradfahrer, mitunter auch Hühner und Kühe, von den tiefen Schlaglöchern ganz zu schweigen.

Sofort nach Ankunft in Pinnawala war die Strapaze vergessen, denn die kleinen Baby-Elefanten schauten uns schon mit grossen Augen entgegen. Als unsere kleine Tochter einen Baby-Elefant die Flasche geben durfte, war die Idylle perfekt. Es dauerte nicht lange, da kamen immer mehr und grössere Elefanten auf uns zu. „Keine Sorge Madam, die gehen nur schwimmen – kommen Sie mit!“ Ich mit dem Rücken an die Wand des kleinen Häuschen gedrückt und vor mir riesengrosse Elefanten, die im Eilschritt vorbeizogen und laut trompeteten. Als mir ein solcher Riese auch noch seinen Rüssel entgegenstreckte, wollte ich eigentlich nur noch weg. Mein Schock legte sich doch ein wenig und wir setzten uns an die Böschung des Maha Oya River und schauten dem „Badespiel“ aus sicherer Entfernung zu. Die Rückwanderung haben wir nicht abgewartet.

Unser Fahrer sehr bemüht, wollte uns noch ein besonderes Elefantenmuseum zeigen. Wir kamen also mitten im Dschungel an und da gab es ein kleines Häuschen mit vielen Elefantenknochen. Als wir das Haus verliessen, kam mir zu meinem Schreck schon wieder ein grauer Rüssel entgegen. „Der möchte nur Obst, Madam“, wurde mir erklärt. Ich hatte aber keines und ehe ich mich wirklich entscheiden konnte, wurde mir und meiner Tochter auch schon ein „Ritt auf dem grauen Riesen“ sozusagen zugeteilt. Da sass ich nun, hoch oben mit breiten Füssen, meine Tochter fest umklammert und hoffte, dass wir nicht herunterfallen. Eine kleine Runde genügte mir. Jetzt sollte eine ältere Elefantendame meinen Mann herumtragen. Die hatte es sich gerade im Schatten gemütlich gemacht und willigte nur zögerlich ein. Sobald mein Mann oben sass, senkte sie den Kopf, marschierte direkt auf die vor ihr liegenden Baumstämme los, schnappte sich einen und warf in hoch vor sich hin und dann steckte sie den Kopf hinein, sodass mein Mann Mühe hatte nicht abzurutschen. Mein Mann behielt Ruhe und die Elefantendame entschied sich meinen Mann zum Ausstieg zu bringen.

Der Schock war mir anzusehen und so sagte unser Fahrer nur: „Sorry Madam, Elefanten arbeiten nur am Vormittag, mein Fehler, aber vielleicht wir kaufen jetzt Obst für Elefant?“

© Heidemarie Leitner