Grünes Kracherl und Süßigkeitentombola

Der Fasching im Stampflbräu in Hallein war in meiner Kindheit immer ein besonderer Höhepunkt. In meiner kindlichen Erinnerung ist es ein grosser Tanzpalast mit vielen Treppen und spannenden Einblicken, durchdrungen vom Lärm unzähliger fröhlicher Menschen. Dieses alte Gemäuer mit ihren vielen verschieden Ebenen und Attraktionen bot uns Kindern einen herrlichen Rahmen für ein ausgelassenes Treiben. Viele Halleiner Familien trafen sich dort zu einer geselligen Runde und wir Kinder konnten uns nach Lust und Laune im Treppenhaus oder bei den verschiedenen Musikdarbietungen herumtreiben. Sogar für die Tombola bekamen wir an diesem Tag ein paar Schilling und durften uns dafür Lose kaufen.

Der Grundstock für mein Leben wurde sozusagen in diesen heiligen Faschingshalden gelegt, denn meine Eltern haben sich in diesem Haus an einem Faschingsdienstag kennen gelernt und daraus wurden 65 gemeinsame schöne und glückliche Jahre. Schon als kleines Kind hatte ich dort meinen grossen Maskenauftritt, je nach Zeitgeist als Prinzessin, Indianerin oder Piroschka. Doch die Zeiten änderten sich und so wurde auch dieses letzte Denkmal der Fasching Hochburg Hallein zu gesperrt.

Kreativ wie meine Familie war, haben wir ab diesem Zeitpunkt unsere Faschingssonntage mit einem grossen Familienfasching gefeiert. Für uns Kinder wurde bestens gesorgt und so hatten wir die gesamten Attraktionen des Stampflbräu im Familienkreis. Meine Tante machte hervorragende Faschingskrapfen mit viel Marillenmarmelade und Zucker und von der ansässigen Getränkefirma in der Wiesengasse wurden die herrlichen bunten Kracherl besorgt. Mir schmeckte das grüne Waldmeisterkracherl am Besten. Ich liebte die Farbe, den Geschmack und träumte mich beim Trinken mit Strohhalm in die Geschichten meiner Grosstanten über das geheimnisvolle grüne Getränk Absinth.

Selbstverständlich gab es auch Musik. Mein Onkel spielte Ziehharmonika und gesungen wurde in unserer Familie sowieso. Meine Oma durfte in ihrer Jugend sogar einmal für den Kaiser singen.

Später haben wir dann auf dem alten Plattenspieler super Tanzmusik aufgelegt und ausgelassen getanzt.

Spannend wurde es für uns Kinder bei der Tombola. Mein Papa hat einen ganzen Küchentisch voller Süssigkeiten in seiner Firma eingekauft. Diese wurden mit kleinen Nummern versehen und dann gab es ein Jute Sackerl mit Metallblättchen, wo Nummern aufgeprägt waren. Mein Papa stellte sich hin, schüttelte das Säckchen, es schepperte geheimnisvoll und wir Kinder durften jetzt alle nacheinander Lose ziehen. Für meine Cousins und Cousinen das Schlaraffenland pur. Sie waren in den Familien ja mehrere Kinder und damals waren Süssigkeiten und Kracherl noch Kostbarkeiten.

Wohl genährt und mit viel Lebensfreude, von der Uroma bis zu den Urenkeln, gingen diese Faschingssonntage zu Ende. Wir Kinder freuten uns aber schon auf die kommenden Faschingstage. Da ging es nochmals rund am Eislaufplatz und in der Schule.

© Heidemarie Leitner