Hochwürden und seine Tochter

Wenn du 17 Jahre alt bist und eigenes Geld verdienst, möchtest du nicht unbedingt deinen Urlaub mit den Eltern und Verwandtschaft mitten in der steirischen Einöde verbringen. Ich wollte richtig Urlaub machen und ans Meer fahren. Meine Oma als Fürsprecherin bei meinem Papa war leider nicht mehr da und so wandte ich mich vertrauensvoll an meinen Opa. Mein Papa lehnte mit den Worten „zu alt“ ab. Mein Opa kannte seinen Sohn und so hatte er bereits Plan B vorbereitet und da konnte mein Papa nicht mehr „nein“ sagen.

Also wurde ich am Montag Morgen von seinem Bruder, seines Zeichen katholischer Priester, im Giorgio Armani Outfit und einem Fiat X1/9 Cabrio von zu Hause abgeholt – Ziel Adria. Mit toller Hippiemusik ging es schon mal viel zu schnell auf der Autobahn nach Kärnten. Nach einem kleinen Espresso in Triest fuhren wir über die slowenische Grenze, man bedenke damals noch Jugoslawien.

Da Ferragosto war, hatten wir Glück auf den Hügeln oberhalb von Izola noch ein freies Zimmer zu bekommen. Mein Onkel meinte vor dem Einchecken nur: „Ich trage uns als Vater und Tochter ein, da wir ja den selben Namen haben, damit keiner auf komische Gedanken kommt.“ Mir war das egal, aber als mein Onkel seinen Pass hinlegte und der Herr an der Rezeption bei Beruf „katholischer Priester“ las – diesen Blick werde ich nie vergessen - konnten wir froh sein, noch einchecken zu dürfen.

Die Sensation verbreitete sich nicht nur beim Personal, auch die anderen Gäste dürften davon Wind bekommen haben und verächtliche Blicke waren noch das Netteste. Wir blieben cool. Wir verbrachten herrliche Stunden in den Weinbergen, freuten uns über eine Flasche Whisky am Strand, die wir im Kofferraum entdeckten und mein Onkel begrüsste schon mal die Fische am Strand mit: „Hallo lieber Fisch! Wie geht es dir heute?“

Mitte der Woche fuhren wir die Küste entlang nach Pula. Wir wollten noch eine Jeans kaufen und so handelten wir mit einem Polizisten in Portoroz aus, dass er unser Auto inspizieren darf, wenn er uns dafür die Adresse vom Schwarzmarkt sagt. Auf diese Weise kam ich auch zu einem wunderschönen Kleid in Rovinj. Das Amphitheater hoch über Pula hat uns dann in längst vergangene Zeiten entführt.

Auf der Heimreise in unser Quartier trafen wir beim Kanal von Lim noch „Walser Schäfchen“ meines Onkels, die uns auf einen Kaffee auf ihre Yacht einluden. Die nächsten Tage verbrachten wir damit, dass wir die Phantasie der Leute ein wenig anfeuerten, indem wir Abends in die Disco gingen und am letzten Abend beim Grillen noch hoch über dem Meer in den Mondschein tanzten.

Die Rückreise bestritten wir über die Großglockner-Hochalpenstraße. Es war kalt und schneite, aber wir fuhren mit offenem Verdeck und hoch gekurbelten Fenstern – höchste Heizstufe und natürlich wieder „San Francisco“.

Es ist egal, ob Vater oder Onkel – Blut ist dicker als Wasser und so haben wir noch einige Abenteuer, jedoch als Onkel und Nichte, erlebt.

© Heidemarie Leitner