Kleine Zeitreise zu meinen Ahnen

Die Vorfahren meiner Mama väterlicherseits waren Salzachschiffer. In meiner Kindheit wurden in der Familie immer die unglaublichsten Geschichten über diese wagemutigen Männer erzählt, die immer auf gutes Wasser hofften und dann mit ihren Hallaschen die Salzach bis Oberndorf hinunterfuhren. Meine Uroma kam, wie es so Sitte war, aus Oberndorf. Die hatte mein Uropa bei seinen Arbeitsreisen kennen gelernt und nach Hallein geholt.

Diese Familienepisoden verblassten im Laufe der Zeit und umso mehr freute es mich, als wir um die Jahrtausendwende zu einer nostalgischen Plättenfahrt auf der Salzach eingeladen wurden.

Es war ein schöner sonniger Sommertag. Die Reise an Land begann mit der Lokalbahn in Salzburg Itzling und endete bereits nach kurzer Fahrt in Muntigl. Der weitere Weg führte uns an die Salzach, wo wir bereits von den Schiffsleuten aus Oberndorf erwartet wurden. Es waren zwei Plätten auf die unsere Gruppe verteilt wurde. Mit von der Partie waren ein Ziehharmonikaspieler und eine gute kräftige Verpflegung.

Sobald ich auf der Plätte Platz genommen hatte und den stolzen Schiffsführer, mit seiner historischen Kleidung sah, fielen mir wieder all diese Geschichten von zu Hause ein. Die Plätte nahm schnell Fahrt auf und der Wind und das Geräusch des Wassers, wenn es an die Plätte gedrückt wird, brachte mich schnell in eine andere Zeit. Vorbei an Uferböschungen, wo manch` Getier zu sehen war und unter mir die Salzach, die uns fast schweben liess. Ich schaute dem Schiffer zu, wie er immer wieder das Wasser beobachtete. Natürlich suchte ich auch das Gespräch mit ihm. Er war nicht sehr redselig. Zu der Tatsache, dass meine Uroma aus Oberndorf stamme, meinte er nur „wenigstns wos Gscheit`s noch Halla kemma“. Darüber konnte ich nur schmunzeln. Diesen Stolz und die Abgrenzung zu anderen kannte ich sehr gut.

Je weiter wir flussabwärts fuhren, desto unruhiger wurden die Gewässer und ein paar Spritzer des kühlen Salzachwassers waren in dieser Situation sehr angenehm. Furcht hatte ich ja keine, denn falls die Plätte mich über Bord werfen würde, dann könnte ich einfach ans Ufer schwimmen. Aber was muss das für ein Gefühl für meine Vorfahren gewesen sein. Schiffsleute mussten Nichtschwimmer sein. Denn nur so waren sie Garant dafür, dass sie das weisse Gold der edlen Herrschaft nicht im Stich lassen würden, um ihr klägliches Leben zu retten.

So in Gedanken versunken, wurde es plötzlich unruhig auf der Plätte. Die Musik wurde eingestellt und wir wurden aufgefordert still zu sitzen und uns an den Bänken festzuhalten. Der Schiffsführer machte eine ernste Miene und dann kamen schon die ersten Stromschnellen. Es fühlte sich an, als würden wir auf eine holprige Schotterstrasse übersetzen. Es dauerte nur ein paar Minuten. Mit sicherer Hand wurden wir über diese unruhigen Stellen in der Salzach sicher ans Ufer von Oberndorf manövriert.

Nach ein paar netten Stunden in Oberndorf ging es an Land mit der Lokalbahn wieder zurück nach Salzburg.

© Heidemarie Leitner