Ledersandalen für den Masai Häuptling

Einmal Afrika, immer Afrika! Diese Aussage trifft für mich voll zu und so reisten wir mit unserer Tochter im Volksschulalter in den afrikanischen Winter nach Kenia. Wir landeten in Mombasa und erreichten nach ca. einer halben Stunde unser Hotel am Bahari Beach. Ich freute mich schon auf den wunderschönen weissen Sandstrand, wo ich so viele schöne Stunden in aller Ruhe spazieren konnte. Von den Einheimischen kam höchstens ein nettes Lächeln und „Jambo, habari?“ worauf meine Antwort stets „mzuri sana“ lautete.

Der Empfang war sehr herzlich und wir bekamen ein Zimmer direkt oberhalb des Strandes. Als ich am nächsten Morgen vom Balkon auf den Strand sah, erblickte ich einen jungen Mann, voll geschmückt nach Masai Tradition. Er stand da, als ob er den Strand bewachen würde. Nach ausgiebigem Frühstück war Baden am Strand angesagt. Für die Einheimischen völlig unverständlich bei nur 30 Grad Aussentemperatur ins 25 Grad kalte Wasser zu gehen. Das Meer war sehr stürmisch und die Wellen schlugen hoch an die Kaimauer. Dieses Ereignis wollten wir auf Film festhalten und so wurde ich zur Kamerafrau.

Nach einiger Zeit näherte sich der Masai und wir kamen ins Gespräch. Er hatte in der Schweiz studiert und ist nun zurück, weil er seinen Vater als Häuptling im Stamm nachfolgen wird. Wir stellten fest, dass wir gleich alt sind und auch unsere Kinder im gleichen Jahr geboren wurden. In den nächsten Tagen haben wir uns immer wieder am Strand zu einem netten Austausch getroffen.

Da es in dieser Zeit sehr guten Wind gab, wollte mein Mann dies zum Surfen nutzen. Da er aber immer vom Surfbrett rutschte, zog er seine weitgereisten Ledersandalen an. Mit dieser unbedachten Aktion waren wir die Sensation unter den Einheimischen. Die Sorgen, dass die Schuhe kaputt gehen könnten und falls, ob wir dann die Schuhe eintauschen würden, und noch viele Ideen und Angebote.

Auch mein Häuptling hatte grosses Interesse an diesen Schuhen und wie es so ist hatte unsere Tochter auch schöne Ledersandalen. Wir wurden uns einig, dass wir die Schuhe bei der Abreise unserem Masai überlassen würden. Unsere Tochter wollte ihre Schuhe seinem Sohn überlassen, da sie ihr im kommenden Jahr ohnedies nicht mehr passen würden. Auf die Frage, was unsere Tochter dafür haben wolle, antwortete sie: „Vielleicht eine kleine Trommel?“

Zwei Tage vor der Abreise erhielt unsere Tochter diese Trommel. Der Masai verliess uns überglücklich mit den Lederschuhen. Am letzten Abend haben wir mit den Hotelmanagern zu Abend gegessen und klagten über den Gestank der vermeintlichen Ziegenfelltrommel. Als wir diese jedoch zeigten, stellten wir fest, dass es eine Antilopenfelltrommel ist und wir diese keinesfalls ausser Landes bringen dürfen.

Angesichts dieser Wertschätzung von Seiten des Masai konnten und wollten wir diese Trommel nicht in Kenia lassen. Mit viel Bauchweh haben wir sie durch den Zoll gebracht und dann war sie für zwei Jahre am Balkon - wegen des tollen Aromas.

© Heidemarie Leitner