Politikerin hurra

So jetzt bin ich plötzlich Politikerin-ja,was macht man da eigentlich, wie funktioniert man- besser gesagt, wie sollte man als Politikerin sein?

Ich hatte keine Ahnung.

Nahezu aus dem nichts war ich auf einmal Gemeinderätin in meiner Heimatstadt Innsbruck.

Und ich war unheimlich stolz und hatte mich sehr gefreut, eine von 40 gewählten Mandar/innen zu sein.

" Es st echt toll, eine super Erfahrung"hab ich mir gedacht ..und genau das war es ja dann auch..

Wenn man allerdings auf die Weise wie ich auf einmal in der Politik landet - gutgläubig, ehrlich, engagiert und sehr idealistisch - dann gibt es zuerst einmal einige Watschen, die man einstecken muss.

Im übertragenen Sinne natürlich.

Da wären einmal die"lieben Parteifreunde". Die einen haben Angst, man könnte ihnen ihre Kompetenzen streitig machen, andere sind neidisch und wollen neuen -etwas naiven - Kolleginnen nichts sagen oder zeigen. Am sprichwörtlich glatten politischen Parkett,kann man verdammt leicht ausrutschen.

Aber selbst ist die Frau, und allen Zweiflern zum Trotz habe ich immer Wege, halt meine speziellen, gefunden und bin so ziemlich oft zum Ziel gekommen.

Aber natürlich sehr oft auch nicht.

Wenn ich heute mit meinen Enkeln auf einen Spielplatz, im Zentrum von Innsbruck gehe, erinnere ich mich,dass es mir als "Grüne "nicht gelungen ist, statt des staubigen Sandes einen Rasen für die Kleinen zu organisieren.

Ich habe nie meinen Optimismus und Humor verloren und- sehr wichtig - immer meine Lebensfreude behalten.

In den Jahren als Gemeinderätin und auch dann noch als Arbeiterkammerrätin bin ich stundenlang in verschiedenen Sitzungen gesessen.

Ich hatte oft wirklich thematisch wenig bis keine Ahnung -etwa wenn ich an Themen wie Sportförderung oder Verkehrsbelange denke- das war allerdings nicht nur bei mir der Fall, ich habs bloß auch zugegeben.

Jedenfalls habe ich mich aber trotzdem immer bemüht, das Richtige zu tun.

Das kommt daher, weil viele den Beruf des Politikers einfach nicht kennen und erst im Tun erlernen können- erst im Laufe der Jahre beginnt man die Mechanismen zu verstehen und damit umzugehen.

Das heißt nicht, dass es keine kompeten Leute in der Politik gibt, nein, nur die wahren Experten sind für mich die Beamten, ohne sie würde sicher gar nichts funktonieren.

Ich möchte diese Zeit aber niemals missen.

Ich habe viele Menschen kennen und schätzen gelernt, Veranstaltungen,Sitzungen und Vereine besucht.

Und natürlich habe ich auch viel gearbeitet. Ich habe auch gelernt meine "andersfärbigen" Kolleginnen immer zuerst als Menschen und nicht politische Feinde zu betrachten- jeder trägt sein "Parteimäntelchen", am Ende aber sitzen alle im gleichen Boot und viele eint das Engagement für eine Sache.

Was für mich wichtig und richtig war, ist über alle Fraktionen hinweg miteinander zu reden, um das Beste für die Stadt und seine Bewohner zu erreichen.

Ich denke heute noch mit Freude an diese für mich sehr interessante und lehrreiche Zeit zurück.

© Heidi Schmarl