unter dem Wolkenhimmel

Wenn ich ein Bild festhalten könnte, dann diese Wolken-Sonnenformation am Horizont. Wenn ich malen könnte, es würde ein kitschiger Rubenshimmel werden - ohne griechische Götter auf jeden Fall.

Obwohl gerade dieses Bild war es, dass mein Leben so sehr geprägt hat - die Entstehung der Milchstraße von Peter Paul Rubens. Da stand ich einst im Prado in Madrid vor diesem riesigen Gemälde. Erstaunt sah ich die Milch Heras über das Firmament spritzen. Wahrscheinlich griff ich instinktiv auf meine eigenen Brüste, denn mit der Reise nach Spanien stillte ich meinen Sohn ab.

"Die Milch kann tatsächlich so von der Brust wegspritzen!" schoß es aus mir heraus. Das unbeholfene "aha" meiner Studienkollegin ließ meine Euphorie auch schon wieder verstummen. Diese zwei Jahre intensive Mutterschaft und Stillzeit waren nicht spurlos an mir vorübergegangen.

Seither habe ich mich durchs Leben gehechelt und komme kaum noch unter dem Wolkenhimmel zu sitzen, um über das Leben zu philosophieren.

Nun ist es mein Sohn, der eine Reise antreten möchte. Ein weiterer Schritt, um sich von seiner Mutter abzustillen. Die Wolken werden ihn nach Osten tragen und ich hoffe, daß er mit reichen Bildern wieder nach Hause kommt.

© Heike Dobrovolny