Der Geruch des Südens

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Der Geruch des Südens | story.one

Manchmal trägt der Wind den Geruch des Südens zu uns. Es ist ganz eigenartig, dann verwandeln sich die Menschen. Sie werden leichtlebig und beschwingt.

Heuer im Jahr 2020 wird es aber anders sein. Der Wind des Südens wird zwar wieder mein Gesicht berühren. Er wird Geschichten mit sich führen. Geschichten vom Rauschen des Meeres, von der Wärme und dem Duft des Südens. Doch ich werde bleiben, da wo ich bin. Obwohl mich wie alle Jahre die Ferne lockt, dass Abenteuer ruft, der Wind des Südens mir seine Geschichten erzählt. Doch ich muss bleiben wo ich bin, weil es diese Zeit so verlangt von mir.

Die Freiheit mit dem Wind zu gehen wohin ich immer will ist plötzlich nicht mehr da. Manchen gefällt das, sie sehnen sich nicht, sie empfinden nicht diese Sehnsucht die ich empfinden kann nach fernem Zielen. Doch was ist es, was viele Menschen in die Ferne zieht, hinter den weiten Horizont ? Reisen kann anstrengend sein, Reisen kann gefährlich sein, Reisen kostet Geld. Doch darüber denke ich nicht nach. Aufbrechen den ersten Schritt machen um den Süden zu spüren.

Ich habe viele Länder bereist, vor allem Südamerika ist einer meiner Kontinente. Oft sind die Menschen dort sehr arm, aber sie leben unter der Sonne des Südens. Da ist das Rauschen des Meeres, da ist die wilde Natur und der Wind. Oft ist da nur die Stille, eine Stille wie man sie noch niemals erlebt hat. In dieser Stille existiert nur das Universum. In diesen Augenblicken kehrt man ganz von selbst dorthin zurück, was Mensch sein bedeutet. Da ist man nicht wichtig, aber man ist ein kleiner Teil eines großartigen Naturschauspieles.

Ich bin auf meinen Reisen wunderbaren Menschen begegnet. Sie waren materiell nicht reich, doch sie waren reich an Geschichten und Erlebnissen aus ihrem Leben. Manche haben sie mir erzählt, aber diese Geschichten haben meine Seele bereichert. All diese Erlebnisse, alle diese Geschichten, Gerüche, Stimmungen sind in meinem Herzen und in meiner Seele gespeichert.

Ich kann sie abrufen wann immer ich will. Ich kann sie erzählen oder träumen oder einfach vor meinem geistigen Auge wie einen Film ablaufen lassen. So fühle ich mich nicht einsam, nicht eingesperrt, nicht ängstlich, nicht verloren in dieser derzeitigen schweren Zeit. Es sind unsere kleinen und großen Träume die das Leben bereichern, wenn es manchmal bitter schmeckt.

Doch das geht vorbei. Dann höre ich das einsame Flötenspiel eines Indios im Hochland von Peru. Oder das leise Gebet eines tibetischen Mönches im Hochland von Tibet. Ich laufe durch das hohe Gras der weiten Prärie des amerikanischen Westens- oder ich heule mit den Wölfen in Alaska. So werde Ich ihn auch heuer wieder spüren den Wind des Südens. Ich freue mich schon darauf, den er bringt mir neue Geschichten mit.

Und vielleicht nächstes Jahr, ja nächstes Jahr werde ich wieder mit ihm in die Ferne gehen, dorthin wo die Sonne am Horizont sich senkt.

© Hans- Herbert Erregger 08.04.2020