Die Geister von New York

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Die Geister von New York | story.one

In New York leben zirka 2 Millionen Ratten. In langen Winternächten erzählen sich die New Yorker gern Geschichten über riesige Alligatoren, die im Kanalsystem von Ratten und Abfällen leben . Es ist zwei Uhr Nachts , ich warte auf die Subway, und beobachte dabei die Ratten und Mäuse die über die Schienen huschen. Ich steige in die Subway. Ein etwas großer Schwarzer, ( bitte jetzt nicht falsch verstehen) er ist breiter als Arnold Schwarzenegger in seinen besten Jahren steht mir gegenüber.

Nackter Oberkörper, Tattoos, Kopfhörer, verdammt es ist Mitte Februar und draußen ist es ziemlich kalt. Ich überlege kurz mit ihm ein Selfie zu machen, verwerfe aber diesen Gedanken da er mich vielleicht falsch verstehen könnte. Ich setze mich hin es sind ja nur wenige New Yorker um diese Zeit im Abteil. Na ja,ich bin in New York ein Gringo . In der Subway von New York fahre ich mit der ganzen Welt. Da ist jede Sprache zu finden . Ein gewisser Vorteil für mich, viele sprechen dasselbe schlechte Englisch wie ich. In den Gängen der alten ehrwürdigen Subway finden sich Musiker, und sie machen eine Musik wie sie bei uns nur in den Konzertsälen zu finden ist . Blues, Rock, Jazz, Menschen die auf Kochtöpfe schlagen, die Geige, Cello oder Sitar spielen. Chinesen, Mongolen, Südamerikaner, Mexikaner, Schwarze, Weiße, Gelbe und andere Mischungen.

Ich bin unterwegs nach Harlem, und danach auch in die Bronx. Je näher aber die Bronx kommt, desto mehr leert sich die Subway. Hat das etwas zu bedeuten, sollte das mir zu denken geben? Aber keine Angst Gringo niemand kennt dich, du bist doch auch ein New Yorker. Man lernt schnell, passt sich an, nur kein Tourist sein. Meinen ersten Abend, als ich selbstbewusst die Stiege der Subway Station Time Square hochgehe werde ich nicht vergessen. Als ich in das Abendlicht trete, erschlägt es mich förmlich. Beleuchtete Häuser, die in den Himmel ragen. Polizei Sirenen, gelbe Taxis, Menschen und Menschen.

Mitten drinnen und doch alleine. Es reißt mich mit-Rockefeller Center- Eislaufplatz-Musik-Time Square. Riesenhafte Bildschirme, Gesichter, Flimmern, Broadway, Party, Selbstdarsteller. Schauen, fühlen, Lächeln.

Das ist New Yorks Party Gesicht- ungezwungen, reich, problemlos, ausgeflippt, anders. Aber das echte ungeschminkte Gesicht dieser Stadt erlebt man in den Schächten der Metro. Dort wo die Ratten leben, dort wo verzweifelte mit Farbe Kunstwerke geschaffen haben an den Wänden. Man weiß nicht ob man Nachts da Menschen oder Geister begegnet. Schatten huschen über die Wände, da sind Stimmen, da ist Musik, und schon hat dich das Nichts verschluckt.

Sie lächeln dich an die Geister der Nacht.

Irgendwo spukt dich die Subway aus, und du torkelst zurück in deine Unterkunft. Du fragst dich, was hat dich hierher geführt.? Sie leuchten in der Ferne die Türme einer einzigartigen unmöglichen Stadt. Das ist es, wenn du das spürst dann bist du endlich angekommen, angekommen in New York.

„ that's it“

© Hans- Herbert Erregger 18.04.2020