Mit Nomaden leben und Adlern jagen

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Mit Nomaden leben und Adlern jagen | story.one

"Wissen Sie wo Kasachstan ist? "

Das sind Berge bis über 7000 Meter und Steppen die unendlich sind. Kasachstan ist ein Land das dich gefangen nimmt. Es kostet viel Kraft, aber als Fremder wirst du belohnt wenn du es wagst in die weite Steppe Kasachstan zu gehen. Man spricht dort nur russisch und kasachisch- sonst nichts. Und beide Sprachen kann ich nicht. Doch ich habe es gewagt. Ich fliege nach Almaty (ehemals Alma-Ata) um dort Nomaden zu begegnen.

500km bin ich in einem kleinen Auto mit vier Kasachen (Muslime) von Almaty Richtung Westen unterwegs. Die unendliche Steppe fliegt vorbei, ich sehe große Pferde-Rinder und Schafherden. Es staubt- die Steppe ist trocken und gelblich gefärbt. Die Straße wird immer schlechter, es sind nur mehr unbefestigte löchrige Feldwege. Die Zeit ist da stehengeblieben. Und dann sind wir da, bei der Nomaden Familie. Mitten im Nirgendwo in Kasachstan. Sie sprechen nur russisch und kasachisch. Aber ich spüre sofort ihre Herzlichkeit. Und sie führen mich gleich in ihre Jurte, und bewirten mich.

Tee-Schaffleisch-Pferdefleisch. An das Essen muss ich mich erst gewöhnen. Und man muss viel essen, das ist Gastfreundschaft. Vor 30 Jahren war Kasachstan ein Teil Russlands, doch seitdem ist es selbstständig mit einer eigenen Regierung. Den Nomaden ist das egal. Sie leben hier seit tausenden Jahren. Die Steppe ist ihr zu Hause. Sie besitzen Pferde, viele Schafe, vier Hunde, viele Hühner Sowie noch fünf große Adler, Falken und einen Bussard. Langsam nähere ich mich einen der Adler, er hat wunderschöne Federn. Stolz blickt er mich an. Man gibt mir einen Lederhandschuh und zeigt mir wie man den Adler hochheben kann. Ich zeige Respekt vor diesen wunderschönen Tier.

Die Kralle des Adlers umfasst meinen Arm wie eine Zange- und ich hebe ihn hoch. Er sieht mich an-direkt in meine Augen. Sollte er jetzt mit seinem großen Schnabel zustoßen, dann wäre mein Auge kaputt und mein halbes Gesicht entstellt. Doch er sieht mich nur an. Auf einem Pferd mit dem Adler auf dem Arm reite ich mit ihnen auf die Jagd nach Füchsen und Wölfen. In der weiten Steppe Kasachstans .

Plötzlich bin ich einer von ihnen, ein Nomade frei wie der Wind. Wer es nicht sieht und fühlt kann sich diese weite Steppe nicht mal vorstellen. Die Menschen hier leben noch eine Freiheit die wir im engen Europa nicht mehr kennen. Man ist hier ein kleiner Teil einer gewaltigen Natur die ohne Grenzen scheint. Für mich waren es Strapazen – ich war dieses freie Leben nicht mehr gewohnt. Um hier überleben zu können muss man stark sein. Müde, abgekämpft, ausgelaugt aber innerlich glücklich kehre ich nach Europa zurück. Mit vielen Bildern, Videos und Geschichten. Geschichten aus einer Welt, aus einem fernen Land das uns in Europa noch fremd ist. Aber das ist Glück.

Das Glück wenn man das Herz spürt, das Herz eines Landes und das Herz der Menschen. Dieses Land hat mir wieder gezeigt das wir die Natur nicht beherrschen können, sondern das wir nur ein winzig kleiner Teil von ihr sind.

© Hans- Herbert Erregger 10.04.2020