Erste Weihnachten mit meiner Frau

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Erste Weihnachten mit meiner Frau | story.one

Die ersten gemeinsamen Weihnachten mit meiner Frau standen vor der Tür. Sie war damals eigentlich noch gar nicht meine Frau. Wir waren erst seit etwa zwei Monaten ein Paar und bewohnten ein Zimmer im Haus meiner Eltern.

Beruflich kannten wir uns schon längere Zeit. Aber als sie eigens wegen mir zu einem Auftritt meiner Band nachfuhr, dachte ich mir, es könnte mehr daraus werden. War möglicherweise ihr körperbetontes Steirerkostüm der Vater dieses Gedankens? Naja.... eher nicht. Aber diesem Kostüm habe ich meine wunderbare Geschenksidee für unser erstes gemeinsames Weihnachtsfest zu verdanken!

Heiliger Abend. Alle vierzehn Familienmitglieder warten schon versammelt im Haus meiner Eltern. Ich habe die Aufgabe, aus einem Versteck das Weihnachtsglöckchen zu läuten. "Klingeling!". "Das Christkinderl war da!" ruft meine Mutter. Allen voran erstürmen die Kinder meiner beiden Geschwister das kerzenlichtdurchflutete Wohnzimmer. Jeder sucht sich einen Platz. Mein Bruder stimmt "Oh Tannenbaum" an, alle singen mit. Den Liederabschluss bildet das "Stille Nacht". Allen wird warm ums Herz. Noch das "Vater unser" beten und sich gegenseitig ein frohes Fest wünschen. Damit haben wir den offiziellen Teil geschafft.

Jetzt das Licht an und ran an die Geschenke. Jeder verteilt die von ihm eingewickelten Pakete. Plötzlich drückt mir meine heutige Frau ein kleines Päckchen in die Hand. Ich öffne es. Es ist eine goldene Halskette mit meinem Sternzeichen als Anhänger. Ich freue mich riesig! Jetzt bin ich an der Reihe. Ich krame aus dem Geschenkeberg ein größeres Paket hervor und übergebe es mit einem Kuss meiner Frau in Spe. Ich bin furchtbar stolz, dass mir dieses Geschenk eingefallen ist. Ein Dirndl! Ich weiß nicht, war Glück oder Wehmut schuld an ihren glasigen Augen. "Jetzt kannst du dein Steirerkostüm im Kasten lassen. Probier das Dirndl gleich mal an!" fordere ich sie auf. Hab ich ihre Größe richtig geschätzt? "Passt!" Alle sind begeistert, oder tun aus Anstand so.

Es ist Winter. Daher habe ich auch gleich eine Trachtenweste dazu gekauft. "Probier die Weste auch gleich an!" fordere ich auf. "Passt auch!" Wieder sind alle begeistert. Nur meine künftige Frau nicht ganz. Denn auf der Weste sind kleine Wollknöpfe als Zierde aufgenäht. Das wäre soweit nicht schlimm. Wären da nicht die zwei Knöpfe, die genau auf den beiden weiblichen Körpererhebungen platziert sind. Sie sehen aus wie..., wie..., na sagen wir wie es ist,... wie kräftige Brustwarzen.

Meine künftige Frau wollte aber mein Weihnachtsgeschenk nicht schmälern und tauschte die Weste niemals um. Und wenn sie die Weste zum Dirndl trug, knöpfte sie diese einfach nicht zu, da zogen sich die beiden Warzen einfach unter ihre Achseln zurück.

Heute frage ich mich, ob ich damals meiner Frau nicht doch auch ein schönes Schmuckstück hätte schenken sollen. Aber offensichtlich war ich ein echter Trendsetter, der schon damals den AndreasGabalier-Trachten-Hype vorausgeahnt hat!

© Herbert Schieber 13.12.2019