der blieb, um mir die Augen zu öffnen…

Wieder einmal verstand ich die Zusammenhänge nicht sofort…

Sam brachte uns drei nach Hause, nicht ohne mehrfach darauf hinzuweisen, dass meine Wohnung in Little Italy auf mich wartete…

„Dort können wir dich besser schützen“, meinte Sam …

Und ich dachte mir … besser kontrollieren… „Nein, keine Kontrolle mehr… wir wissen nun, dass du deinen eigenen Weg gehen willst“…

„Wo ist Michael jetzt“, fragte ich, da ich mir sicher war, dass Sam dies wusste.

Er wusste.

„Er wird dir nie mehr schaden können … die aus Philadelphia übernehmen ihn.“

Übernehmen, dachte ich… wie, Michael… und wer?

Sam gab mir keine Antwort. Wahrscheinlich wusste ich ohnehin schon zu viel.

„Loyalität ist bei uns immer noch das gültige Wort und nicht ein leeres… wie du es oft im Fall von Liebe kennengelernt hast.“

Für eine kurze Sequenz sah ich in den graugrünen Augen Sorge und Wut, Zärtlichkeit und vielleicht auch Liebe… funkeln.

Dann ließ er mich vor meiner Wohnung aussteigen und der schöne Frühlingstag endete je.

Mit meinem Herzschloss in der Hand saß ich dann lange vor dem großen Fenster und blickte Richtung Westen, gen New Jersey. Ich sehnte mich gerade so sehr nach Beständigkeit und Geborgenheit, dass der Schmerz die Furcht und Angst überlagerte.

Jetzt erst nahm ich mein Herz in der Hand richtig wahr… es war geschlossen gewesen. Man sah genau die Spuren vom gewaltsamen Einwirken. Möglicherweise hätte es gerade entfernt werden sollen.

Mein Gott, ja, Michael wollte es entfernen… deshalb war er dort.

Wie krank ein Mensch sein kann… aus verschmähter Liebe? Das sah ihm gar nicht gleich.

Es musste etwas anderes dahinter steckten…

Ich begann zu recherchieren… befragte alle Medien…

Holte meine kleine Schachtel mit den Habseligkeiten, die mir von Mickey geblieben waren, hervor…

Und brütete lange bis spät in die Nacht hinein. Als es an der Tür läutete, schrak ich hoch, Mörphy schlug an… drehte aber an der Tür wieder um und legte sich ins Körbchen… es musste jemand sein den er kannte.

Sam. „Sam“, fragte ich als ich die Tür öffnete.

„Was weißt du schon alles“, antwortete er.

„Wahrscheinlich noch kaum etwas, aber ich komponiere. Michael wird von euren Partnern in Phily übernommen… er wird dort weiter für euch arbeiten. Stimmt‘ s“, fragte ich ihn provokant.

„Mädl, Mary mein Herz, da müssten wir ganz wo anders anfangen, dazu ist es immer noch zu früh…“

Wir saßen uns gegenüber, mein Herz klopfte an diesem denkwürdigen Tag bis zum Hals, schon das zweite Mal… dieses Mal aus Freude. Und ich hatte gelernt. Ich sagte nichts. Wartete…

„Ich konnte dich einfach nicht so zurücklassen“, flüsterte Sam… grad so als sollte es niemand außer uns hören… er schaltete das Radio ein, laut, sehr laut… und flüsterte weiter…

Mir wurde heiß… Mein Gott, war ich abgehört worden…?

„Ja“, sagte Sam, obwohl ich gar keine Frage gestellt hatte.

„Ja, verzeih, verzeih Ihnen… aber vor allem mir.“

„Es ist Liebe. Schon lange. Ohne sie leben zu können. Bald zu lange.“

„Es ist Liebe, Mary.“ Dann nahm er mich in den Arm…

© Herzchen