…der das Pferd…und die Frau zähmte…

Natürlich wusste ich, dass man sich in einen Menschen, einen Mann verlieben konnte… Besonders wenn er so tiefblaue Augen hatte wie Wilhelm. Und leicht gekraustes Haar… durch das ich so oft zärtlich strich … oder auch wild und voll Leidenschaft… daran zerrte. Und einen Mund… von dem ich sogar oft träumte. Und einen, vom Sport gestählten Körper… den ich erkundete. Und dieses Lächeln, das gekoppelt mit seinen klugen, zärtlichen, einfühlsamen Worten mein Herz eroberte hatte.

Im Sturm. Damals, als sein Pferd mich im New Yorker „Aushängeschild-Park“ umgestoßen hatte. Natürlich wusste ich das.

Aber dass man sich auch in einen Park verlieben konnte… wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Ein Jahr lang durchlebte ich dort jede Jahreszeit, jede Witterung, jede Gefühls- und Lebenslage. Ich sah Verliebte und wieder Verliebte… und viele, viele Touristen… ja die ganze Welt war dort versammelt… um zu kommen …Und natürlich sah ich die Reiter… deren Chef mein Wilhelm war…Ich verbrachte nicht nur die Tage, wann immer ich konnte im Park in seiner Nähe… Auch die Nächte verlagerten sich zusehends von Greenwich in die Upper East Side … Dort wo er seine coole Wohnung hatte… denn obwohl mein Greenwich hipper, trendiger und aufregender war… war dort nicht Wilhelm.

Abends kochten wir zusammen, lachten dabei … wir lachten beim Essen oder wenn ich zuviel Prosecco getrunken hatte und er mich doppelt auf den Arm nahm… um ihn mir dann aus dem Mund zu trinken… auch danach lachten wir. Und waren schweigsam und still, kuschelten bis in alle Ewigkeit, betrachteten die Lichter am Hudson River … und weinten gemeinsam vor Glück, wenn Clime Fisher sein … „love changes everything…,“sang und stimmten ihm zu, wenn er meinte, dass sie die Regeln für Narren wie für Könige mache…

Wilhelm krönte mich zu seiner Königin… und lange Zeit, viele, viele Tage und Wochen war die Welt für uns perfekt. Eines hatten wir aber vergessen… Clime Fishers Song von der Liebe, die alles ändert … hat auch eine Textstelle, die lautet: „… sie bringt dich zum Fliegen… bricht dir aber auch die Flügel…“.

Der Winter war ins Land gezogen… mein Liebster erlitt mit seinem Pferd einen schweren Unfall auf einer eisigen, uneinsichtigen Stelle… das arme Pferd musste erschossen werden…Wilhelm aber saß danach lange im Rollstuhl… und so entsetzlich dies jetzt klingen mag… selbst da verstanden wir uns immer noch sehr gut, konnten immer noch lachen und gemeinsam weinen…

Aber die Liebe, diese Liebe hatte uns verlassen… Sie war mit Wilhelm vom Pferd gestürzt, hart aufgeschlagen und zerbrochen. Wie Glas. Wir versuchten die Scherben einzusammeln. Aber es gelang nicht mehr. Ich gab ihm die königliche Krone zurück und irgendwann blickte ich noch einmal in diese tiefblauen Augen. Jetzt aber konnte ich den Grund sehen. Ging nicht mehr darin unter. Seltsamerweise war sein Blick jetzt klarer, ruhiger. Wilhelm war bei sich angekommen.

Ich aber machte mich wieder auf den Weg…

© Herzchen