der die Liebe gegen den Tod einsetzte…

Michael und ich saßen in einem kleinen Café an der Ecke zum Rockefeller Center und redeten…

Wir redeten über mein Leben… über meine Suche… meine Sehnsucht… meine Liebe… meine Männer… wir redeten über Harry… und den Unfall…

Zuerst vorsichtig, dann konkreter… manchmal kam meine verbliebene Hilflosigkeit hoch, manchmal der Schmerz… manchmal die Freude, dadurch ihn, Michael, gefunden zu haben.

Wir redeten über sein Leben… zuerst vorsichtig, dann konkreter… manchmal war er hilflos, fast ohnmächtig mir davon zu erzählen… von seiner Suche, seiner Sehnsucht… seiner Liebe … und seiner Krankheit.

Michael, der sanfte, Michael.

Michael, der sorgende… für mich ein halbes Jahr lang, täglich…

Michael, der hübsche Michael… war krank.

Krank und in Behandlung im gleichen Krankenhaus, in dem ich nach dem Unfall versorgt wurde. Michael betreute in dieser Zeit mich … und ließ sich selbst betreuen.

Michael hatte Lungenkrebs.

Jetzt aber, so sagte er, jetzt aber da ich, wenn auch auf schlimme Weise, in sein Leben getreten war, jetzt würde er kämpfen.

Für sich. „Für uns?“, fragte er vorsichtig… nachdem wir aufgefordert wurden das Lokal zu verlassen.

Es war weit nach Mitternacht.

„Ja“… hauchte ich beim Abschied… und versprach morgen in „unser“ Krankenhaus zu kommen und ihm bei der Therapie beizustehen.

Das machte ich. Jeden zweiten Tag „trafen“ wir uns in der onokologischen Abteilung.

Jeden zweiten Tag strahlte Michael, wenn er mich sah, als wäre unser Treffen ein Sonntagsausflug.

Jeden zweiten Tag lernten wir uns besser, näher kennen.

… ja es gab dann sogar Tage wo wir lachten und scherzten…

uns gegenseitig aufzogen… wie toll und gesund wir nicht wären…

Jeden zweiten Tag waren wir beide, jeder auf seine Art, glücklich.

Dann wurde Michaels Therapie abgesetzt… die Werte hatten sich um mehr als die Hälfte verbessert.

Wir beschlossen Weihnachten bei mir zu verbringen.

Es war ein kalter, sonniger Dezembertag… vier Tage vor Weihnachten…

Ich war gerade am Broadway unterwegs, um die letzten Geschenke zu besorgen, Theaterkarten für meine Freunde, Gabriella und Gerad… da spürte ich, mehr als ich es sah, dass mir ein gelbes Taxi folgte…

„Mary, Mary…“ hörte ich einen Mann rufen… „Mandy braucht dich dringend… prego, prego!“

Es war Sam, ein guter Freund von Mandy…

Als mich Sam nicht nach Little Italy fuhr, sondern bis zum Battery Park im Süden von Manhattan, da wusste ich, dass ich ins „Herz“ der Famiglia gebracht wurde. Ich betrat Mandys Zimmern in diesem Glaspalast und wusste sofort, dass ich dies das letzte Mal in meinem Leben machen würde…

Il destino… hatte Mandy noch gesagt als er ging… il destino wird dich wieder zu mir zurückbringen…

… danach war es dunkel geworden für uns.

Auch jetzt wurde es dunkel um uns, um mich.

Mandy, mein Mandy lag im Sterben. Er war angeschossen worden.

Warum und wieso sagte mir keiner. Und ich fragte nicht.

Mandy, mein Mandy hatte damals nicht bedacht, dass das Schicksal auch grausam sein konnte.

© Herzchen