… der die Puppen tanzen ließ …

Ich kehrte reumütig und traurig nach Greenwich zurück.

Malte die Wohnung bunt aus.

Ließ mir eine neue Frisur machen.

Traf mich öfter mit meinen Kolleginnen zum Squash.

Sagte den Plattformen und Partnervermittlungen adieu.

Belegte einen Italienisch Kurs.

Einen Spanisch Kurs.

Und einen Salsa Kurs.

Greenwich ist ohnehin der Stadtteil der tanzt. Und rockt und stylt.

Also Salsa.

Es war zu Beginn schwierig. Fast alle kamen als Pärchen.

Da stehst du als Single-Frau ziemlich dumm da.

Zuerst erbarmte sich unsere Tanzlehrerin selbst.

Dann die anderen Damen… und borgten mir, jede Tanzstunde eine andere, Ihre Männer.

Langsam wurde es lockerer. Langsam begann es mir richtig Spaß zu machen.

Ich beherrschte besser als meine Kolleginnen die Schritte.

Übte zu Hause mit meinem Teddybär, mit meinem Nachbarn, dem armen Kerl… er konnte gar nicht tanzen… nach der Arbeit mit den Kolleginnen… statt Squash zu spielen.

Alle halfen mir wo sie nur konnten.

Der armen, einsamen, verlassenen Mary.

So nannten sie mich in New York.

Die Maria war ihnen zu heilig…

Kurz: Der Salsa hatte mich gefangen und okkupierte mich mit Haut und Haar.

Und genau just in dem Moment als mir dieses Singleleben zu gefallen begann…

bekamen wir einen neuen Tanzlehrer…

Er war Franzose, Christian…

Er war jünger als ich, schöner als ich, hatte dunklere und längere Haare als ich,

einen schlankeren Körper … und tanzte wie ein Gott.

Besonders göttlich war sein Salsa…

Und: Er tanzte ihn mit mir… jede Tanzstunden… und auch danach.

Wir tanzten nach der Tanzstunde in kleinen Bars… am Wochenende im Park…

Am nächsten Wochenende bei ihm zu Hause…

Kurz: Er tanzte sich in mein Leben… und ehe ich mich versah…

war er daraus nicht mehr wegzudenken.

Wir vermischten die englische mit der französichen Sprache…

Wir lernten beide spanisch … und sprachen während des Tanzens nur spanisch…

Und wir liebten uns in allen Sprachen und mit allen Sprachen.

Es war eine wilde Zeit… doch beide wussten wir von Anbeginn an, dass Tanz alleine,

selbst in allen Sprachen der Welt, nicht genug war…

Nicht genug für den Alltag, nicht genug für eine gemeinsame Zukunft… und schon gar nicht genug für den letzten Tanz…

Den tanzte Christian mit der nächsten Puppe… und der nächsten… und der nächsten.

Ich aber machte mich auf einen zu finden der Teil von mir wurde…

So als wäre seine Hand auf meiner Wange meine Hand…

Und das nicht nur während des Tanzens…

© Herzchen