…der es wert war erobert zu werden.

Ich hatte vor, das einsamste Silvesterfest meines Lebens zu verbringen.

Der Weihnachtsbaum stand noch in voller Pracht auf meiner Dachterrasse…

Die Sachen von Michael waren noch in meinem Schrank…

Und sein Duft noch in meinem Bad.

Aber er war weg. Nicht physisch… aber in meinem Herzen.

Jetzt verstand ich viele seiner Verhaltensmuster… seine Krankheit und sein schlechtes Gewissen waren der Grund gewesen, warum er mich fast täglich im Krankenhaus besucht hatte.

Die Liebe hatte sich von mir abgewandt… und das erste Mal in meinem Leben … war ich froh darüber.

Einmal keinen Kummer, keine Schmerzen, keine Sehnsüchte, die unerfüllt blieben…

Ein großer, tiefer Friede breitete sich aus in mir…

Und ja… wenn jetzt Freddie:

“Love of my life, can't you see?

Bring it back, bring it back

Don't take it away from me, because you don't know

What it means to me…” sang,

dann konnte ich ihm das erste Mal in meinem Leben nicht beipflichten…

Nein, ich wollte nicht, dass er zurückkam… und all das bedeutete mir nichts mehr…

Aber, aber vieles andere… die Farben meiner Wohnung, die ich mit Mandy ausgemalt hatte, die schöne Wohnung selbst, die ich mit Mickey bezogen hatte …

Die vielen Bilder von Sussex County, die ich für Harry gemalt hatte…

Meine Hunde, die ich von Rudolfo geerbt hatte…

All die Menschen in Little Italy... das Taxi, das scheinbar für meinen besonderen Bedarf abgestellt war.

Und den Lenker von diesem, der Sam hieß.

All dies begleitete mich durch die nächsten Tage und Wochen.

Langsam begann ich das Singleleben zu genießen.

Und wollte ich einmal ausgehen… dann war Sam mit seinem Taxi zur Stelle.

Er kannte die besten Cafés, die besten Bars und die besten Restaurants.

Ich hatte mich zum Essen und Ausgehen mit Gabriella, meiner Frisörfreundin verabredet.

Doch als ich das Haus verließ war nur Sam mit dem Taxi zu sehen.

„Gabriella ist leider verhindert“, meinte er lakonisch und ohne eine Miene zu verziehen.

„Komisch, was mache ich jetzt?“, fragte ich mich selbst… und Sam antwortete…

„Ich weiß ein nettes, kleines italienisches Lokal… gleich hinter der Brooklyn Bridge."

Gesagt, getan… getan auch von Sam… der unerwarteter Weise mitkam.

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Das erste Mal lernte ich ihn näher kennen, betrachtete ihn genauer, nahm ihn nicht als Freund von Mandy… sondern als Mann wahr.

Groß, schlank, sportlich, elegant gekleidet, graugrüne Augen mit einem sanften, tiefen Ausdruck ganz hinten drinnen, wunderschöne Hände… und kein bisschen Italiener.

Er stammte zur Hälfte aus Serbien, liebte das Autofahren, daher das Taxi, liebte diese Stadt und die Menschen von Little Italy.

Mandy war vor mehr als 30 Jahren sein Freund geworden und hatte ihn eingeführt in die Welt der Patrone und der gelben Dominanz in Manhattan, die Mandy‘ s Familie schon seit Jahrhunderten hatte.

Wenn Sam sprach… meinte ich ein Singen zu hören… so voll Einfühlungsvermögen und Loyalität, so voll Kraft und… Liebe.

Denn als Sam sprach… lernte ich ein neues Gesicht von ihr kennen.

© Herzchen