… der kam, um zu offenbaren…

Wenn du die Liebe verpasst, verpasst du das Leben“, philosophierte Sam, der Freund von meinem verstorbenen Italiener Mandy.

Wir saßen in einem gemütlichen, kleinen, italienischen Lokal… viele Kerzen, schöne Musik, sehr gutes Essen, Wein… und Sam.

„ Du kannst sie aber nur spüren, wenn du dazu bereit bist“, meinte er zu mir.

„Vieles geschieht, passiert nur deshalb weil du immer in die gleiche Richtung blickst, den gleichen, alten Weg gehst. Weil du wieder liebst, wie du immer geliebt hast… weil du das erhoffst, was du immer erhofft und an das glaubst, an das du immer geglaubt hast…“.

Sam… woher wusste er das alles… fragte ich mich und bekam von ihm die Antwort… grad so als ob er Gedanken lesen könnte.

„Seit dem Tag an dem du nach Greenwich gekommen bist habe ich dich beobachtet. Zuerst für Mandy… das Haus in dem du wohntest gehört seiner Familie… so wie das Haus wo du jetzt wohnst… deshalb hast du auch diese Dachgeschoßwohnung bekommen… bald aber merkte ich, dass ich für mich selbst beobachtete, beschützte … ja ich hatte mich in diese Mary mit ihren Hunden verliebt.“

„All deine Verehrer, Freunde habe ich mit dir kommen und wieder gehen sehen“, „Stunden, ja Tage verbrachte ich in Sussex County, war zur Stelle als dich der Schulbusfahrer rammte… das konnte ich leider nicht verhindern… war täglich an deinem Krankenbett… war schwer eifersüchtig als dich dann Mandy eroberte… und so schlimm es klingt… als ich dich damals an sein Sterbebett holte… wusste ich, das irgendwann meine Zeit kommen würde.“

War es der gute Rotwein, Jahrgang 2012… Barbera d’asti… oder waren es all diese Informationen… mir schwirrte der Kopf, ich konnte diese viele Geständnisse gar nicht aneinander reihen…

Fühlte mich hilflos… ein wenig ausgeliefert.

„Sam… warum jetzt“, fragte ich… obwohl dies vielleicht gerade nicht die wichtigste Frage war.

„Weil ich fühle, dass jetzt langsam deine Zeit kommt. Die Zeit, die nur dir gehört. Die Zeit, die du dir auch nehmen musst, um zu realisieren was du brauchst und wen du brauchst. Aber vor allem zu erkennen, dass du eigentlich niemanden mehr brauchst.“

„Erst dann, Mary, erst dann werde auch ich bereit sein für dich.“

Die Lasagne auf meinem Tisch wurde kalt. Dafür die Flasche Rotwein leer.

So wie Mandy zum Maler meines Lebens geworden war… und ganz langsam mein Grauschwarz in ein Blassrot verwandelte, so kratze Sam gerade die ganze Farbe weg und zeigte mir meine grauschwarze Einstellung, meine, fast schon wartende Haltung auf einen neuen Liebesschmerz, einen neuen Verlust eines geliebten Mannes.

So wie jeder meiner Freunde und Männer einen Teil zu diesem Puzzle beigetragen hatte, so begann ich jetzt unter dieser Offenbarung von Sam zu verstehen, dass ich vieles so gesucht und daher auch so gefunden hatte.

Wie Schuppen viel es mir langsam von den Augen.

Ich verließ den Teller und begann von außen mein Leben, meine Wünsche und Träume zu betrachten.

Und Sam verließ ohne Worte das Lokal.

Ich war, das erste Mal seit ich in New York war… alleine.

© Herzchen