der mein Haus mit falschem Schlüssel baute

Vom Tanzen genug… versuchte ich mein Leben wieder in eine andere Richtung zu lenken… und erstmalig weg von den Männern… den Gedanken und Hoffnungen an sie und in sie…

Ich belegte zusätzlich zu all den anderen Beschäftigungen, die ich mir schon gesucht hatte…

von Spanisch über Italienisch bis Squash und dem Laufen auf der neu umgestalteten U-Bahn Trasse,

der High Line im Südwesten Manhattans... wo ich zwar vielen Männern begegnete… aber mit keinem eine Begegnung suchte… und daher auch nicht fand…

… einen Kurs über das Bauwesen, deren Geschichte und Gestaltungen in New York vom Beginn bis heute an der an New York University, downtown, am Washington Square mitten in meinem Viertel in Greenwich Village.

In den Universitäten von New York trifft sich, heißt es, die Elite der Welt: Wer hier ist, der kann das Gefühl genießen, ganz nah dran zu sein - zumindest für eine gewisse Zeit….

Gedacht, getan. Aufgenommen.

Ja, jetzt wurde es richtig schwierig… und Männer waren für mich für längere Zeit eine Spezies von einem anderen Stern…

Es hieß lernen… und zwar richtig.

Es war die 10te Vorlesung als uns angekündigt wurde, dass der Baumeister, der die meisten Häuser in Greenwich gebaut, entworfen oder irgendwie mitgestaltet hatte… eine Sondervorlesung hielt.

Für mich natürlich interessant… immerhin wohnte ich in so einem Haus.

Wie ich dann erfuhr … in seinem Haus. In dem Haus, das er nicht nur entworfen, gebaut sondern auch mitfinanziert hatte.

Er fragte uns Studenten wo wir wohnten… und als ich an der Reihe war… da wusste ich, dass mich der andere Stern mit all seinen seltsamen Lebewesen wieder eingeholt hatte.

Fritz war ausgewanderter Deutscher … und suchte schon seit geraumer Zeit nach einer Frau… grad so wie ich.

Ich suchte nicht… aber dennoch fand er mich.

Den Schlüssel zu meiner Wohnung brauchte ich ihm nicht zu geben. Er hatte ihn schon…

Und Pläne, wie wir meine Wohnung umbauen, zusammenlegen, vergrößern konnten.

Für zwei Monate waren wir Feuer und Flamme und verbrachten fast jede nur mögliche Minute mitsammen… dann kamen seine Bauarbeiter und begannen mein liebevoll errichtetes Nest auszuräumen…

Als er mir am dritten Tag dieser, seiner Umgestaltung auch noch mitteilte, dass ich mit dem Studium aufhören könnte… weil ich ja jetzt ihn hatte… also genug zu tun…

… da holte ich mir einen Schlosser… und ließ mir ein neues Schloss einbauen.

Mit Freunden konnte ich meine Wohnung wieder halbwegs zu dem machen was sie vor Fritz war.

An seiner deutschen Gründlichkeit, Bestimmtheit und seinem permanenten Durchsetzungsdrang hatte ich mich verbrannt.

Mit neuem Schloss zu meiner Wohnung und einem wiedergefundenen Schlüssel zu meinem Herzen, den er mit dem letzten Bauarbeiter abgegeben hatte… war das Kapitel der Machtübernahme von Deutschland in Österreich beendet.

Jedenfalls für mich.

Fritz kam immer wieder mal… versuchte es auf diese und auf andere Weise…

Doch… er hatte schon längst alle Schlüssel verloren…

© Herzchen