… der mein Herz gegen seinen Hund tauschte

Was soll ich sagen?

Es gibt für alles eine Zeit… die Zeit meiner Suche nach dem Liebsten war scheinbar noch nicht vorbei. Sussex County und mein Bauer samt seinen Kühen und seinem Wald rückten immer weiter weg von Greenwich.

So versuchte ich meine Einsamkeit mit Arbeit zu kompensieren.

Wie jeder von uns Suchenden seine Art hat mit dem Single-Dasein umzugehen.

Der eine verfällt der Welt des world wide weps …

Der andere sucht sich unzählige Freunde oder Bekanntschaften oder Liebschaften…

Der dritte beginnt zu trinken, zu rauchen, zu spielen…

Jeder von uns hat seine eigene Lösung….

Meine war immer schon zu arbeiten…

Seit geraumer Zeit hatte ich den Frisör gewechselt und der Salon, in dem ich gelandet war gehörte einer jungen, dynamischen, sehr hübschen Blondine… mit der ich mich bald angefreundet hatte.

Da sie gerade zu jener Zeit Unterstützung suchte, aber niemanden entsprechenden fand, begann ich dort kurzerhand am Wochenende zu arbeiten.

Es war ein sonniger Frühsommertag und eigentlich wäre ich lieber laufen gegen… aber Zusage ist Zusage und so stand ich auch an diesem Tag im Frisörsalon.

Gerade trug ich zwei Kaffeetassen zu den Kunden… da schoss ein kleiner, weißer Hund zwischen meinen Füssen durch … und die beiden Tassen landeten samt Inhalt am Boden.

Die Scherben noch in der Hand… sah ich wieder einmal in zwei Augen… dieses Mal grün… wie die Wiesen des Central Parks und so voll des Lachens, dass ich selbst sofort lächeln musste… obwohl mir bei Gott nicht danach war…

Der Mann hieß Rudolfo, war Stammkunde, aber jetzt für längere Zeit in seiner Heimat, in Italien gewesen…

Der Hund hieß Mörphy…. Und ehrlich, unter uns gesagt, ich wusste zuerst nicht wer mir besser gefiel…

Beide hatten längeres, gelocktes Haar… beide waren quirlig… und mich immer abküssend…

Denn das fand bereits nach unserem zweiten Date statt.

Rudolfo bekochte mich, wie es sich für einen Italiener gehörte…

Er massierte mich… denn auch das hatte er gelernt…

Er bestand darauf, dass wir uns beide unsere Wohnungen behielten und dass die Beziehung offen blieb…

Das blieb sie. Und seltsamer Weise wuchsen wir trotzdem zusammen…

Wir gingen täglich mit Mörphy quer durch die Stadt…

Ich lernte Winkel kennen, die ich noch nie gesehen hatte… Roberto war ein begnadeter Fremdenführer…

Und so führte er mich Fremde in die Stadt des großen Apfels… wie er New York nannte … ein.

Aus mir wurde eine halbitalienische, vollglückliche Einheimische.

Little Italy wurde zu meinem zweiten Bezirk…

Ich kannte bald jedes Lokal und jeden Ladenbesitzer…

Wir beide hatten Unmengen an Spaß und lachten viel und täglich.

Mörphy war die Krönung unseres Glücks.

Mörphy war auch der, der mir blieb als nach Versprechungen, Tränen und Abschiedsküssen mein Roberto Richtung Italien abschwirrte…

Sein Familienclan brauchte ihn…

Wozu wollte ich gar nicht wissen…

Als der Tag kam, an dem er mit dem Schiff davonglitt…

standen der Hund und ich am Pier… und winkten und ich weinte…

Und fast schien mir … Mörphy weinte auch…

© Herzchen