…der Rosen und sein Herz zurückließ...

“You dont‘ t bring me flowers anymore…“… konnte ich jetzt anstelle von Neil Diamond singen… Denn mein Großfarmer von New Jersey hatte mir leb wohl gesagt. Neil verabschiedete sich in Richtung Jugend… dort, wo die Blumen erst zu sprießen beginnen und nicht schon reif und in voller Blüte sind… wie jene in meinem Garten.

Eine seltsame Lethargie und Gleichgültigkeit stellte sich bei mir ein, grad so, als ob die Liebe mich nicht mehr verletzen könnte… oder mir jegliche Gefühle schon egal wären. Ich blieb auch gelassen als eines Tages Harry, mein Milchkuhbauer aus Sussex County vor der Tür stand… mit Blumen in der Hand… reife, aufgeblühte, rote Rosen.

Mein Begleiter in all den Raunächten war zurückgekehrt, nachdem er davon gehört hatte, dass seine Mary wieder allein zu Hause war… und er kannte mich sehr gut… Rote Rosen waren meine Lieblingsblumen. Mein Begleiter, der er auch an vielen Tagen gewesen war, und der, wie es jetzt schien, tatsächlich mein Herz noch berühren konnte, nahm mich einfach auf den Arm, trug mich ins Schlafzimmer… und liebte mich den ganzen Tag… die ganze Nacht… und auch am darauffolgenden Tag kamen wir nur an die frische Luft, um die Hunde auszuführen. Mein Begleiter in diesen Tagen wusste, dass ich genau das jetzt brauchte.

Viel Wärme, Zuneigung, Sex … und Liebe.

Dazwischen bemühten wir den Chinesen, den Pizzalieferanten… und nach einigen Tagen Fast Food … Flora Bar, ein gehobenes Restaurant nahe dem Central Park, das uns Fisch, Meeresfrüchte und Champagner lieferte. Tags darauf orderten wir „Per Se“… ein französisches Restaurant mit einer Lieferung, die aus Schnecken, Austern, Fischroggen … und Wodka bestand. Voll der Lust… setzten wir dort fort, wo wir 2 Tage zuvor aufgehört hatten…

In jenen Wochen nahm ich mehre Kilos zu… Harry blieb bis in die Faschingszeit hinein… und lediglich meine Arbeit und die Hunde hielten mich von ihm fern. Er zitierte meine Gedichte, wusch meine Wäsche und kaufte ein… denn langsam wurde unser Lieferantenservice zu teuer. Ich lernte ihm kochen, bügeln… die letzten Geheimnisse meines Körpers… und fast auch meiner Seele…

Es war der Rosenmontag, eigentlich der Tag vor „unserer“ Raunacht… da erwischte ich ihn beim Lesen meiner Mails. Der Bildschirm war offen und gerade zufällig war wieder eine Nachricht von einer dieser Plattformen gekommen… hatte ich doch „lost in Love“ … wie ich gerade war, vergessen mich abzumelden. Wie von allen seinen Rosen gestochen fuhr er auf und anstelle einer Entschuldigung hagelte es Vorwürfe, Beschuldigungen und bittere Worte. Wer war der Mann? Fragte ich mich in diesem Augenblick… ein mir Unbekannter… Nein, nicht mein Bauer, nicht mein Begleiter durch all die Tage und Nächte, nicht mein Freund und auch nicht mein Geliebter…

Diese Raunacht sollte für lange Zeit unsere letzte sein… am Morgen des Faschingsdienstages ging er… so unvermittelt wie er gekommen war. Bei mir blieben seine getrockneten Rosen… und… das wusste er noch nicht, sein Herz.

© Herzchen